Steuerliche Behandlung von Verlusten bei Kryptowährungen
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Steuerliche Behandlung von Verlusten bei Kryptowährungen

Wurden im Jahr 2017 durch die steigenden Kurse meist große Gewinne realisiert, sind in diesem Kalenderjahr viele Steuerpflichtige von Verlusten betroffen. Können Gewinne durch spätere Verluste ausgeglichen werden? Kann verhindert werden, dass Cash-Reserven für die Steuer der Gewinne aus dem Jahre 2017 verbraucht werden? In diesem Kurzartikel geben wir einen Überblick über die Verlustrechnung und zeigen euch einen wertvollen Praxistipp!

Durch die erheblichen Kurschwankungen bei Kryptowährungen wie Bitcoin stellt sich für private Investoren vermehrt die Frage, wie Verluste im Rahmen der Steuererklärung zu behandeln sind. Da viele Steuerpflichtige im Jahre 2017 hohe Gewinne und durch signifikante Kursverluste im Jahre 2018 Verluste generiert haben, ist ein Verständnis über die Verlustrechnung innerhalb der privaten Veräußerungsgeschäfte im Sinne des § 23 EStG essentiell für eine nachhaltige Steueroptimierung. Weiterhin können Liquiditätsengpässe – bedingt durch Steuerzahlungen – oftmals vermieden werden.

Grundsätzlich gilt im Kontext der steuerlichen Verlustrechnung, dass ein Verlust erst eine steuerliche Relevanz erreichen kann, wenn dieser realisiert wurde. Dies kann durch einen Tausch in eine andere Kryptowährung oder in FIAT-Geld etc. vollzogen werden und bedeutet weiterhin, dass reine Kursverluste durch das Halten einer Kryptowährung keine steuerliche Auswirkung haben können.

Berechnung des steuerlichen Veräußerungsergebnisses 

Der Gewinn bzw. Verlust aus dem Handel mit Kryptowährungen wird gemäß § 23 Abs. 3 EStG durch die folgende Formel berechnet:

Veräußerungspreis-Anschaffungskosten-Werbungskosten

=Veräußerungsergebnis

Beispiel:

Tausch von BTC gegen Euro

  • Veräußerungspreis: 5.000,00 EUR
  • Anschaffungskosten: 7.000,00 EUR
  • Werbungskosten: 15,00 EUR

5.000,00 EUR-7.000,00 EUR-15,00 EUR= -2.015,00 EUR

In diesem Beispiel wurde somit ein Verlust i.H.v. 2.015,00 EUR realisiert.

Da die Aufzeichnung der Anschaffungsdaten sowie der korrespondierenden Transaktionskosten für eine steuerliche Verlustfeststellung essenziell sind, kommt der Dokumentation der Transaktionsdaten eine große Bedeutung zu. Allerdings ist eine manuelle Aufarbeitung meist fehleranfällig und daher eine verlässliche automatisierte Steuerlösung zu empfehlen. Mit Hilfe der webbasierten Steuerlösung von CryptoTax kann nach einem automatisierten Datenimport ein Steuerreport erstellt werden, welcher durch die KPMG AG zertifiziert ist und somit immer dem aktuellen Rechtsstand entspricht. Mehr Informationen über das Tool findet ihr hier.

Realisierung der Verluste innerhalb der einjährigen Spekulationsfrist

Damit ein Verlust steuerlich relevant wird, muss dieser innerhalb der einjährigen Spekulationsfrist des § 23 EStG realisiert werden. Dies hat den Hintergrund, dass private Veräußerungsgeschäfte (PVG) mit Kryptowährungen nach einem Jahr steuerfrei sind, d.h. werden Kryptowährungen länger als ein Jahr gehalten, sind potentielle Gewinne nicht steuerbar und führen somit nicht zu einer Steuerlast des Verkäufers. Allerdings gilt gleiches für Verluste, sodass der Gesetzgeber eine Verlustrechnung nur zulässt, insofern die Verlustrealisierung innerhalb des einjährigen Spekulationszeitraums stattgefunden hat. Somit kann es im Einzelfall günstig sein, Verluste noch innerhalb der Jahresfrist zu realisieren um damit historische oder zukünftige Veräußerungsgewinne auszugleichen. Dies sollte natürlich nur unter Beachtung aller mit der Veräußerung einhergehenden wirtschaftlichen Gesichtspunkten durchgeführt werden. Sollte eine Verlustrealisierung nur aus steuerlichen Beweggründen vorgenommen werden und z.B. gleich nach Realisierung wieder in die Ursprungswährung getauscht werden, birgt dies das Risiko von der Finanzverwaltung nicht anerkannt zu werden. Daher ist darauf zu achten, dass mit der verlustrealisierenden Transaktion in jedem Fall ein wirtschaftlicher Aspekt einhergeht. Durch die hohe Volatilität von Kryptowährungen und das damit einhergehende wirtschaftliche Risiko, sollte dies bereits vorliegen, wenn zwischen der Veräußerung und Reinvestition mehrere Stunden oder wenige Tage liegen. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Verluste für steuerliche Zwecke nur dann relevant sind, wenn diese innerhalb der einjährigen Spekulationsfrist realisiert wurden und der Realisierungsvorgang nicht ausschließlich steuerlichen Zwecken diente.

Verlustverrechnung

Wie die vorstehenden Ausführungen zeigen, können Verluste aus dem Handel mit Kryptowährungen nur mit gleichartigen Gewinnen aus PVG im Sinne des § 23 EStG ausgeglichen werden. Werden weitere Einkünfte aus nicht selbstständiger Arbeit, Kapitalvermögen oder Vermietung & Verpachtung etc. erzielt, können Verluste aus PVG diese nicht mindern. Eine Verlustverrechnung ist ausschließlich innerhalb des § 23 EStG denkbar. Somit können Verluste aus der Veräußerung von Kryptowährungen auch Gewinne aus dem Verkauf von Grundstücken, Edelmetallen oder Fremdwährungen ausgleichen.

Verlustvortrag und -rücktrag

Verluste, die der Steuerpflichtige innerhalb der Jahresfrist realisiert, können neben den Gewinnen derselben Periode – der steuerliche Veranlagungszeitraum entspricht dem Kalenderjahr – Gewinne der vorherigen oder der folgenden Perioden mindern. Steuerlich kann der Verlust somit vor- oder zurückgetragen werden. Der Verlustrücktrag ist dabei auf das vorangegangene Jahr der Verlustrealisierung beschränkt. Ein Verlustvortrag kann hingegen unbeschränkt in der Zukunft genutzt werden.

Werden Verluste zurückgetragen, verringert dies das zu versteuernde Einkommen des vorangegangenen Steuerjahres, da die Gewinne aus PVG gemäß § 23 EStG retrospektiv gemindert werden. Der Bescheid des jeweiligen Jahres wird angepasst und der Steuerpflichtige hat ggf. Forderung gegenüber dem Finanzamt resp. erhält eine Erstattung der zu viel entrichteten Steuer.

Praxistipp

Wurden innerhalb des Kalenderjahres 2017 Gewinne und innerhalb des Kalenderjahres 2018 Verluste erzielt, kann der Steuerpflichtige die Verluste von 2018 in das Jahr 2017 zurücktragen. Für eine transparente Auflistung der jeweiligen Gewinne und Verluste kann dabei das zertifizierte Tool von CryptoTax verwendet werden.

Die Einkommensteuererklärung für das Jahr 2017 kann dabei so spät wie möglich, und für das Jahr 2018 so früh wie möglich abgegeben werden. Die Intention dahinter ist, dass die Bescheide beinahe zeitgleich erlassen werden, um somit die FIAT Liquidität möglichst hoch zu halten. Die Verbindlichkeit gegenüber dem Finanzamt durch die Besteuerung der Gewinne aus dem Jahre 2017 kann dabei durch die Forderung aus dem Verlustrücktrag des Jahres 2018 ausgeglichen werden. Werden die Bescheide zeitgleich bearbeitet, kann weiterhin durch Kommunikation mit dem Finanzamt der Verlustrücktrag direkt angewendet werden.

Grundsätzlich endete die Frist für die Steuererklärung für das Kalenderjahr 2017 am 31.05.2018. Wird die Erklärung in Zusammenarbeit mit einem Steuerberater erstellt, verlängert sich die Frist automatisch auf den 31.12.2018. Es kann jedoch ohne einen Berater eine Verlängerung beim Finanzamt beantragt werden. Wird die Erklärung für das Kalenderjahr 2017 somit am Ende des Jahres abgegeben, und die Erklärung für 2018 am Anfang des Folgejahres, kann die Verrechnung der Gewinne und Verluste theoretisch direkt erfolgen bzw. ein möglicher Liquiditätsengpass auf wenige Monate begrenzen lassen.

Ein schlechtes Timing der Abgabe der Steuererklärungen kann hingegen dazu führen, dass der Steuerpflichtige für die in 2017 erzielten Gewinne Steuer entrichten muss, welche ihm nie in Euro zugeflossen ist. Die Kursrückgänge in 2018 könnten darüber hinaus dazu führen, dass selbst eine Liquidation der offenen Positionen nicht für ausreichend Steuerliquidität sorgen kann. Eine mögliche Steuererstattung aus einem Verlustrücktrag wäre dann erst nach mehreren Monaten denkbar, insofern die Verluste rechtzeitig realisiert worden sind.

Im Zweifel sollte ein Steuerberater zu Rate gezogen werden. Für eine Vermittlung an ausgewählte Experten im Bereich der Besteuerung von Blockchain-basierten Vermögenswerte aus dem CryptoTax Partnernetzwerk stehen wir gerne unter contact@cryptotax.io zur Verfügung.

Image: „Bitcoin price drop“ by descryptive.com, used under CC BY / Hue changed from original

Opinions

  1. Post comment

    Hallo Cryptotax. Danke für den Artikel. Der Verlustrücktrag war mir bis dato nicht bekannt. Ich habe in 2017 Gewinne realisiert und in 2018 Verluste realisiert. Gerne würde ich den 2018er-Verlust auf 2017 rücktragen. Mich würde interessieren, wie man den Verlustrücktrag PRAKTISCH vornimmt. Ich habe nämlich die Erklärung für das Jahr 2017 noch nicht abgegeben und wurde bislang auch nicht aufgefordert diese abzugeben. Sollte ich Anfang 2019 zunächst die Erklärung für 2018 abgeben und dort den Verlust bei den Veräußerungsgeschäften erst mal feststellen lassen? Und dann erst die Erklärung für 2017 abgeben und dort den Verlustrücktrag aus 2018 angeben? Danke vorab.

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    1. Post comment

      Hallo Alex,

      danke für dein positives Feedback. Nach der Sachverhaltsbeschreibung hast du wohl zwei verschiedene Fragestellungen:

      1. Abgabe der Steuererklärung für 2017
      Hier ist zunächst zu beachten, dass die Abgabefrist für die Steuererklärung 2017 für Steuerpflichtige ohne steuerlichen Berater bereits Ende Mai 2018 ausgelaufen ist. Die Verpflichtung zur Abgabe einer Steuererklärung entsteht regelmäßig durch die Erzielung von Einkünften aus dem Handel mit Kryptowährungen. Das FA hat davon natürlich erstmal keine Kenntnis und kann dich deshalb auch nicht zur Abgabe auffordern. Mehr dazu auch hier: https://knowledgebase.cryptotax.io/hc/de/articles/360007107191-Fristen-der-Steuererklärung
      D.h., du musst hier eigenständig aktiv werden, am besten mit einem Steuerberater, der sich in diesem Bereich auskennt. Wir helfen dir gerne im Rahmen unseres Premium Service. Insofern du Interesse hast, schreibe uns bitte eine Mail an contact@cryptotax.io.

      2. Verlustrücktrag

      Der Verlustrücktrag geschieht von Amts wegen, d.h. das FA nimmt diesen automatisch vor, wenn z.B. in deinem Fall die Steuerklärung für 2018 eingereicht wird und der du nicht per Antrag ausdrücklich auf den Rücktrag verzichtest.

      Beste Grüße
      Dein CryptoTax Team

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