Staking und die Steuer

Da es im Zusammenhang mit der medialen Berichterstattung über Bitcoin und andere Kryptowährungen immer wieder negative Kommentare über den hohen Energieverbrauch von Proof of Work (PoW) basierten Kryptowährungen gab, hat sich in der letzten Zeit der Konsensalgorithmus Proof of Stake (PoS) in den Vordergrund gedrängt.

Was ist Proof of Stake

Im Gegensatz zu Proof of Work, welcher auch bei Bitcoin Anwendung findet, wird bei Proof of Stake keine Rechenleistung benötigt, um Transaktionen zu legitimieren und zu überprüfen. Nutzer müssen bei Proof of Stake basierten Kryptowährungen einen unbestimmten Teil ihrer Coins der Verfügungsmacht entziehen, und dem Netzwerk als Sicherheit bereitstellen. Die Sicherheit des Netzwerkes wird dahingehend sichergestellt, indem regelwidriges Verhalten mit dem Verlust der Sicherheitsleistung (Coins) einhergeht. Die Wahrscheinlichkeit der Blockfindung, und somit der entgeltlichen Belohnung des Stakers berechnet sich aus der Anzahl der zur Verfügung gestellten Coins mit Hinzunahme anderer Faktoren wie der zufälligen Blockauswahl oder der Berücksichtigung des Alters des jeweiligen gehaltenen Coins.

Proof of Work und Proof of Stake haben eine einheitliche Zielsetzung, der Prozess zur Entlohnung sowie das ökonomische Gerüst unterscheiden sich jedoch erheblich.

Steuerliche Behandlung von Proof of Stake

Die steuerliche Behandlung von Einkünften durch Proof of Stake ist auf nationaler Ebene noch nicht abschließend geklärt. Vor allem die mögliche Gewerblichkeit wirft bei vielen Nutzern Fragen auf. Weiter muss die Ertragssphäre, der Zufluss der erhaltenen Zahlungen, sowie der Verkauf dieser Kryptowährungen steuerlich gewürdigt werden. 

Einkünfte aus Proof of Stake gewerblich?

Wie oben beschrieben, ist Proof of Stake dem Konsensalgorithmus Proof of Work zumindest in der Zielsetzung ähnlich. Einkünfte aus Proof of Work werden in der Regel den gewerblichen Einkünften nach § 15 Einkommensteuergesetz (EStG) zugeordnet.

Gewerbliche Einkünfte müssen in Deutschland nach § 15 Abs. 2 EStG folgende positive Tatbestandsmerkmale kumulativ erfüllen:

  1. Gewinnerzielungsabsicht
  2. Nachhaltige Betätigung
  3. Teilnahme am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr
  4. Selbstständigkeit

Neben den o.g. Merkmalen gibt es drei weitere negative Abgrenzungstatbestände, die eine Gewerblichkeit abgrenzen können:

  1. Abgrenzung gegenüber der privaten Vermögensverwaltung
  2. Abgrenzung gegenüber der selbstständigen Arbeit gemäß § 18 EStG
  3. Abgrenzung gegenüber Land- und Forstwirtschaft i.S.v. § 13 EStG

Das Schaubild zeigt, ob die einzelnen Tatbestände bei Proof of Stake erfüllt sind. Genaue Argumentationen und Ausführungen über die einzelnen Merkmale findet ihr in unserem wissenschaftlichen Artikel über die Besteuerung von Proof of Stake.

 Zusammenfassend lässt sich also festhalten, dass Proof of Stake in der Regel keinen Gewerbebetrieb begründen sollte. Ob die Gewerblichkeit bei anderen Einkunftsarten wie Masternodes vorliegt, könnt ihr hier lesen.

Erhaltene Zahlungen aus Proof of Stake versteuern

Erhaltene Zahlungen bei der Proof of Stake Konsensfindung lassen sich in den Block-Reward sowie die anteiligen Transaktionskosten aufteilen. Da der Steuerpflichtige durch eine Einlage der Sicherheitsleistung Zahlungen erhält, liegt die Vermutung nahe, dass Einkünfte aus Kapitalvermögen vorliegen. Die möglichen Einkünfte aus Kapitalvermögen sind in § 20 Abs. 1, 2 und 3 EStG abschließend aufgeführt. Erträge, die der Steuerpflichtige bei Kryptowährungen durch Proof of Stake erhält, lassen sich nicht diesen Einkünften zuordnen.

Durch die Abgrenzung der Einkünfte aus Proof of Stake zu den Kapitaleinkünften könnte die Besteuerung durch den Auffangtatbestand der Einkünfte aus sonstigen Leistungen gemäß § 22 Nr. 3 EStG erfolgen. In diesen Kontext wird eine Leistung als jedes Tun, Unterlassen oder Dulden beschrieben, dass eine Gegenleistung begründet. Die Gegenleistung muss dabei ein Entgelt für eine sonstige Leistung darstellen. Da sich der Steuerpflichtige durch die Teilnahme am Konsensprozess aktiv eine Leistung für das Netzwerk erbringt, kann der Block Reward als entsprechende Vergütung gesehen werden.

Somit können die Erträge, die der Steuerpflichtige durch Proof of Stake basierte Kryptowährungen erhält, als Einkünfte aus Leistungen i.S.d. § 22 Nr. 3 EStG erfasst werden. Der Gewinn berechnet sich in diesem Fall durch den Überschuss der Einnahmen über die Werbungskosten. § 22 Nr. 3 EStG besitzt weiter eine Freigrenze (keinen Freibetrag) von 256 € pro Kalenderjahr.

Verkauf von Coins aus Staking steuerpflichtig?

Der Erhalt von Coins durch den Algorithmus Proof of Stake im Rahmen der sonstigen Einkünfte ist zu besteuern. Neben den erhaltenen Zahlungen kann der Steuerpflichtige jedoch auch beim Verkauf der erhaltenen Coins Gewinne oder Verluste erwirtschaften.

Grundsätzlich sind Kryptowährungen durch die Literatur und Schreiben der zuständigen Behörden als private Wirtschaftsgüter einzustufen. Ein Verkauf der Kryptowährungen kann ein privates Veräußerungsgeschäft i.S.d. § 23 EStG auslösen.

Ob ein privates Veräußerungsgeschäft in diesem Fall vorliegt, bedarf bestimmter Voraussetzungen. Das Gesetz fordert in diesem Zusammenhang, dass das veräußerte Wirtschaftsgut, in diesem Fall die gestakte Kryptowährung zuvor entgeltlich angeschafft wurde. Da die gestakten Coins jedoch durch eigene Leistung erzeugt und somit nicht entgeltlich erworben wurden, kann kein privates Veräußerungsgeschäft i.S.d. § 23 EStG vorliegen. Kursgewinne, die der Steuerpflichtige durch den Verkauf der erhaltenen Kryptowährungen realisiert, sind somit nicht steuerbar. Zu beachten sei jedoch, dass etwaige Kursverluste, die durch die Veräußerung von Coins realisiert werden, die ursprünglich aus einer Stakingtätigkeit zugeflossen sind, folgerichtig ebenfalls steuerlich unberücksichtigt bleiben.

Eine wissenschaftliche Aufarbeitung der Thematik findet ihr zudem in unserem Blog-Artikel Proof of Stake (PoS): Was sind die steuerrechtlichen Auswirkungen?

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