Masternodes: Was sind die wirtschaftlichen und steuerrechtlichen Auswirkungen?

Masternodes: Was sind die wirtschaftlichen und steuerrechtlichen Auswirkungen?

Neben Einkünften aus Proof of Stake basierten Blockchain-Systemen bieten Masternodes für Investoren eine interessante Möglichkeit passive Erträge zu erwirtschaften. Fraglich ist, wie sich eine Investition in Masternodes gegen Alernativen behaupten kann und was für steuerliche Implikationen zu erwarten sind.

Hintergrund

Knotenpunkte in einem dezentralen Netzwerk erfüllen viele wichtige Aufgaben um die Sicherheit des Systems zu gewährleisten. Da bei einigen Kryptowährungen, wie z.B. Bitcoin die Aufgabe eines Knotenpunktes ohne Miningfunktion nicht vergütet wird, müssen Netzwerkteilnehmer dort anstatt aus ökonomischen Anreiz aus Ideologie handeln.
Um die Anzahl der Knotenpunkte trotz laufender Strom- und Opportunitätskosten der verwendeten Hardware nicht zu verringern, wurde im Jahre 2015 durch private Investoren ein Incentivierungsprogramm gestartet, mit der Zielsetzung den Anreiz zum Betrieb eines vollwertigen Bitcoin-Blockchain Knotenpunktes zu erhöhen. Die Vergütung sollte dabei nicht durch das System, sondern durch Spendengelder in Form von Bitcoin-Einheiten bezahlt werden. Dieser Versuch der Incentivierung mit Hilfe einer privat finanzierten Ausschüttung konnte jedoch keine Popularität in der Community erreichen und somit keinen Erfolg aufweisen.[1]
Im Gegensatz dazu entlohnen einige Blockchainprojekte wie DASH oder PIVX systemgesteuert bestimmte Netzwerkknoten, dort Masternodes genannt, um den ökonomischen Anreiz zu steigern, Transaktionen zu legitimieren und eine Kommunikation zwischen den Netzwerkteilnehmern bereitzustellen.[2] Da im Bitcoin-System, für welches die meiste steuerliche Fachliteratur besteht, keine derartige Vergütung vorgesehen ist, sind fundierte Aussagen zur steuerlichen Behandlung von Masternodes bisher schwer zu finden. Bedingt durch die steigende Relevanz o.g. Vergütungssysteme, soll der folgende Beitrag die technische und wirtschaftliche Perspektive von Masternodes untersuchen, um anschließend eine erste steuerliche Einschätzung geben zu können.

Technische Grundlagen

Die Blockchain stellt eine peer-to-peer Technologie dar und benötigt daher für die Validierung von Wertübertragungen keine dritte kontrollierende Instanz.[3] Dies wird dadurch erreicht, dass sich die jeweiligen Netzwerkteilnehmer gegenseitig kontrollieren, und somit Sicherheit und Transaktionslegitimität garantieren. Die Netzwerkteilnehmer, auch Knotenpunkte genannt, prüfen Transaktionen und teilen die erhaltenen Informationen über den Transaktionskonsensus an verbundene Teilnehmer weiter.

Arten von Netzwerkteilnehmern

Für ein besseres technisches Verständnis der Materie sollte vorab geklärt werden, welche Arten von Knotenpunkten existieren und welche Funktionen diese im Netzwerk übernehmen:

Full-Nodes
Netzwerkknoten, welche die gesamte Blockchain lokal gespeichert haben, werden als Full-Nodes bezeichnet. Diese kontrollieren Transaktionen nach den Konsensregeln der jeweiligen Blockchain. Fehlverhalten wird an verbundene Knoten gemeldet, um gegen das Konsensusprotokoll verstoßende Aktivitäten (z.B. double spending) möglichst schnell aufzudecken und zu bekämpfen.

Light-Nodes
Im Gegensatz dazu stehen Light-Nodes, die nicht die gesamte, sondern nur einen Teil der Blockchain gespeichert haben. Diese kontrollieren und bestätigen Transaktionen mit Hilfe der Simplified Payment Verification (SPV) und greifen hierfür auf Full-Node Server zu. Durch den strukturellen Aufbau der Transaktionen in den Blöcken in Form von ,,Merkle-Trees” können Light-Nodes nur durch den Block-Header Transaktionen verifizieren.[4] Dadurch wird es Light-Nodes ermöglicht auch auf mobilen Endgeräten, die begrenztes mobiles Datenvolumen und Speicherkapazitäten aufweisen, als Netzwerkknoten zu agieren.

Funktionen der Netzwerkteilnehmer

Knotenpunkte können die folgenden Funktionen besitzen:[5]

  • Verifizierungsfunktion
  • Wallet-Funktion
  • Mining-Funktion

Vollwertige Knotenpunkte, also Full-Nodes, besitzen mindestens eine Verifizierungsfunktion, durch die Transaktionsnachrichten kontrolliert und an verbundene Knotenpunkte weitergeleitet werden.

Knotenpunkte, die eine Wallet-Funktion beinhalten, werden um die folgenden Grundfunktionen erweitert:[6]

  • Graphische Oberfläche
  • Senden und Empfang von Coin-Einheiten
  • Erstellung, Darstellung und Sicherung eigener Adressen
  • Signieren von Nachrichten
  • Zugriff auf den privaten Schlüssel

Bei einer zusätzlichen Mining-Funktion tragen die Knotenpunkte aktiv an der Erstellung neuer Blöcke bei.

Miner werden für den Prozess einer erfolgreichen und gültigen Block-Erstellung vergütet. Die Auszahlungen variieren je nach Blockchain in Höhe und Zusammensetzung.

Nachdem die Netzwerkteilnehmer und deren Grundfunktionen erläutert wurden, sollen nun die technischen Aspekte von Masternodes aufgezeigt werden.

Masternodes

Masternodes lassen sich in die Kategorie der vollwertigen Netzwerkknoten einordnen und können somit auch als “vergütete Full-Nodes” definiert werden.
Kryptowährungen wie DASH und PIVX haben die Funktionen eines vollwertigen Knotens erweitert, und hierfür eine Vergütungsstruktur aufgebaut (Proof of Service). Da die Funktionen je nach Blockchain unterschiedlich sein können, wird nachfolgend nur ein Auszug dargestellt, der u.E. die relevantesten Funktionalitäten enthält:

  • Private Send (anonyme Transaktionen)
  • Instant Send (sofortige Bestätigung der Transaktion)
  • Coin-Mixing
  • Teilnahme an der Politik des Coins mit Hilfe von Stimmrechten (pro Masternode meist ein Stimmrecht)

Um eine Masternode betreiben zu können, müssen verschiedene Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Gewisse Anzahl an Coins pro Masternode

Die Einlage muss für eine Ausschüttung dauerhaft auf einer Adresse hinterlegt werden. Falls der Nutzer die Coins ausgibt oder versendet, werden keine Vergütungen an die Masternode ausbezahlt.

  • Einen Server (ggf. VPS) um einen durchgängigen Betrieb der Node zu gewährleisten

Falls längere Zeit keine Verbindung hergestellt werden kann (z.B. bei DASH > 1h pro Tag), werden bis zur erneuten Verbindung keine Vergütungen an die Masternode ausbezahlt

  • Genügend Speicherplatz für eine kontinuierliche Synchronisation der Blockchain

Da laufend neue Blöcke im DASH oder anderen Blockchain-basierten Systemen generiert werden, muss der Speicherplatz für Aktualisierungen groß genug sein. Falls die Speicherkapazität nicht ausreicht, kann die Masternode nicht mit dem Netzwerk synchronisiert werden, die heruntergeladene Blockchain befindet sich im Rückstand.

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick darüber, wie hoch die Mindestsummen bei den derzeit fünf größten Kryptowährungen mit einer Implementierung von Masternodes, gemessen an der Marktkapitalisierung, sind:

Vergleich vom Wert der Masternodes von DASH, PIVX, Zcoin,SmartCash, BLOCKNET

Durch die hohen Eintrittsbarrieren soll Fehlverhalten verhindert werden, da dieses sich negativ auf den Kurs und somit auf die eigene Investition auswirken würde.

Als Vergütung für die Bereitstellung der o.g. Funktionen erhalten Masternodes einen Anteil am Block-Reward, also an der Vergütung, die Miner oder Staker für die Blockfindung erhalten. Bei DASH, wird der Block-Reward beispielsweise zu gleichen Teilen zwischen den Masternodes und den Minern aufgeteilt. Außerdem gehen 10 % in einen sog. DASH Treasury Account über dessen Verwendung ebenfalls von den Masternodes entschieden wird. Dabei erfolgt die Ausschüttung der Masternode Vergütung, ähnlich wie bei Mining auch nicht kontinuierlich. Bei DASH wird die Masternode, welcher an der Blockvergütung im o.g. Verhältnis beteiligt werden soll, aus einer Datenbank ausgewählt. Die Datenbank umfasst alle Masternodes des Netzwerks und ein Zufallsalgorithmus wählt aus dem ersten Zehntel den Vergütungsempfänger, welcher anschließend wieder am Ende der Liste eingereiht wird. Der enthaltende Zufallsaspekt soll somit trotz nachvollziehbarer Auszahlungsreihenfolge den Schutz vor manipulativen Eingriffen erhöhen.

Wirtschaftliche Implikationen

Im Folgenden soll die Wirtschaftlichkeit von Masternodes untersucht werden. Wie den vorstehenden Ausführungen zu entnehmen ist, muss für den Betrieb einer Masternode eine bestimmte Mindestmenge an Coins gehalten werden. Demnach ist der Aufbau einer Masternode mit einem gewissen Kapitaleinsatz verbunden. Abhängig von den dem Netzwerk zur Verfügung gestellten Ressourcen erwirtschaftet das eingesetzte Kapital anschließend passive Einkünfte für den Masternodebetreiber.

Methodisches Vorgehen

In einem ersten Schritt soll die Masternode aus Renditegesichtspunkten untersucht werden. In diesem Zusammenhang gilt es zu festzustellen, in welchem Verhältnis die zu erwartenden passiven Erträge zum benötigten Kapitaleinsatz stehen. Anschließend soll die Rendite in Beziehung zu dem einzugehenden Risiko gebracht werden. Hieraus erfolgt eine Chance/Risiko Betrachtung, in dessen Zuge eine Analyse der Rendite einer Masternode in Relation zu den einzugehenden Kursrisiken angestrebt wird. Beide Betrachtungsweisen sollen anschließend in einen bewertbaren Kontext gebracht werden. Hierfür wird die Masternode einer passiven Einkunftsquelle aus der klassischen Finanzindustrie, der Dividende einer Aktiengesellschaft, gegenübergestellt.

Berechnung des Return on Investment (ROI)

Für die folgenden Rechenexempel wird die DASH-Masternode als Vertreter der Masternodefraktion gewählt. Alle durchgeführten Berechnungen sind per Stand zum 06.04.2018. Um eine neue DASH-Masternode zu errichten müssen zu diesem Zeitpunkt DASH Coins im Wert von etwa 243.087 EUR erworben werden. Der Return on Investment pro Jahr berechnet sich für eine DASH-Masternode hierbei wie folgt:[7]

Auszahlung pro Tag = n/(t+n) * r * b * a – c/365

n = Anzahl der Masternodes des jeweiligen Investors

t = Anzahl aller Masternodes (4.740)

r = aktueller Blockreward (3,35 DASH)

b = Blöcke die pro Tag erstellt werden (ca. 576)

a = Anteil der Blockrewards für Masternodes (45 %)

c = Kosten pro Jahr (ca. 0,57 DASH für die Servermiete + Hardwarekosten)

Auszahlung pro Tag = n/(4740+n) * 3,35 * 576 * 0,45 – 0,57*n/365

Bei einer Investition in eine Masternode (n= 1) beläuft sich die zu erwartende Rendite somit aktuell auf etwa 6,63 % pro Jahr. Da in der derzeitigen Niedrigzinspolitik solche Renditen nur selten erreicht werden, scheinen Masternodes ein sehr attraktives Investitionsobjekt zu sein.

Berücksichtigung der Volatilität in der Sharpe Ratio

Zu beachten ist jedoch, dass im Gegensatz zu herkömmlichen Finanzprodukten die Volatilität von Kryptowährungen i.d.R. signifikant höher ausfällt. Starke Kursschwankungen betreffen nicht nur die positiven Cach Flows, sondern auch die Investitionssubstanz welche für den Betrieb der Masternode benötigt wird.

Aus diesem Grund wird die Volatilität oftmals als Gradmesser für das Risiko betrachtet.

Dies gilt im Speziellen für passive Investments, da mit ihrem Anstieg die Planbarkeit und Sicherheit der passiven Einkünfte abnimmt. Die annualisierte Volatilität der letzten 365 Handelstage des DASH Coins beträgt stattliche 134,18 %.

Vergleich von Rendite und Risiko zwischen Allianz Aktie und DASH Maternode

Um anschließend einen Bezug zwischen der Chance und dem Risiko einer Geldanlagemöglichkeit herzustellen, kann die von Nobelpreisträger William F. Sharpe entwickelte Sharpe Ratio zurate gezogen werden. Hierbei wird die Überschussrendite pro Risikoeinheit ermittelt, wodurch Investitionsmöglichkeiten mit grundverschiedenen Chance/Risiko-Profilen miteinander vergleichbar gemacht werden. Die Sharpe Ratio liegt, bezogen auf die passiven Einkünfte aus einer DASH-Masternode, aktuell bei 0,05.

Vergleich der Analyseergebnisse mit Investitionsalternativen

Um diese Ergebnisse einordnen zu können, werden im Anschluss die gleichen Berechnungen für passive Einkünfte aus einem Aktieninvestment durchgeführt. Hierfür wird die Aktie der Allianz, einer der Dividenden-Aristokraten aus dem Deutschen Aktienindex, analysiert. Die Allianz konnte inzwischen zum fünften Mal in Folge den absoluten Betrag der Dividendenausschüttung pro Aktie für ihre Aktionäre erhöhen und zählt damit zu den absoluten Lieblingen bei den Dividendenstrategien. Für das abgelaufene Geschäftsjahr 2017 wird seitens des Vorstandes eine Dividende in Höhe von 8,00 EUR pro Aktie angestrebt. Kauft man heute ein, so ergibt das eine Dividendenrendite in Höhe von 4,29 %, womit die passiven Einkünfte aus der Allianz Aktie nicht an die der DASH-Masternode heranreichen.

Erwartungsgemäß dreht sich allerdings das Bild, sobald das Risiko in Form der Volatilität in die Betrachtung miteinbezogen wird. Die annualisierte Volatilität der letzten 250 Handelstage der Allianz Aktie beträgt aktuell 14,57 %. Die Sharpe Ratio, bezogen auf die Dividende der Allianz Aktie, liegt somit zum aktuellen Zeitpunkt bei 0,29. Folglich lässt sich in Bezug auf die passiven Einkünfte feststellen, dass die Überrendite der DASH-Masternode den Verlust an Planungssicherheit und Kursstabilität gegenüber der Allianz Aktie nicht kompensieren kann.

Fazit

Dieses Fazit darf jedoch nicht als allgemeingültige Bewertung der Wirtschaftlichkeit einer Masternode verstanden werden, betrachtet es doch nur eine Seite der Medaille. So kann zwar der reine passive Ertrag aus einer DASH-Masternode aufgrund der hohen Volatilität bei der klassischen Chance/Risiko Bewertung nicht mit einer guten Dividendenaktie mithalten, so bleibt hierbei aber eine mögliche Wertsteigerung der zu erwerbenden Assets gänzlich unberücksichtigt.

Mit dem Einkauf der höheren Volatilität erhält der Investor nämlich nicht nur die Chance auf höhere passive Erträge, sondern auch auf überdurchschnittliche Kurssteigerungen.

Lässt man die Year-to-date Kursentwicklung in die Auswertung mit einfließen, so erhöht der Wertzuwachs der DASH Coins in Höhe von 344,72 % die Sharpe Ratio um 2,57 Punkte. Die Allianz Aktie konnte im gleichen Betrachtungszeitraum dagegen lediglich 7,80 % zulegen, womit sich die Sharpe Ratio um 0,54 Punkte verbessert. Selbstverständlich sind vergangene Kursgewinne kein Garant für eine ähnliche Entwicklung in der Zukunft. Dementsprechend sind hohe Sharpe Ratios immer mit Vorsicht zu genießen und sollten mit gesundem Realismus eingeordnet werden. In dem vorliegenden Bewertungskontext dürfen die Wertentwicklungen der zugrundeliegenden Assets aber durchaus Beachtung finden, da eine einseitige negative Berücksichtigung der historischen Volatilität ohne den daraus entstandenen Upside-Potentialen inkonsequent wäre. Zieht man somit die Kursgewinne in die Auswertung mit ein, ergibt das auf Seiten der DASH-Masternode eine Sharpe Ratio in Höhe von 2,62 und auf Seiten der Allianz Aktie eine Sharpe Ratio in Höhe von 0,83.

Vergleich von Sharpe Ratios zwischen Allianz Aktie und DASH Maternode

Da es sich bei Blockchain-basierten Vermögenswerten und Anteilen an Aktiengesellschaften um Investitionsmöglichkeiten aus grundlegend verschiedene Asset-Klassen handelt, gibt es zum einen die bereits behandelten Unterschiede in der Rendite/Risiko Struktur, darüber hinaus aber auch Divergenzen in der steuerlichen Behandlung. Alle aufgezeigten Renditen sind hierbei aus einer Vor-Steuer Perspektive, also als Bruttorenditen, zu verstehen. Damit kann die intrinsische Leistungsfähigkeit jedes Investmentobjekt objektiv bewertet und verglichen werden. In der Praxis macht es für die Nettorendite jedoch einen großen Unterschied, ob die Erträge aus einem Investment mit Kapitalertragsteuer (25% zzgl. Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer), dem persönlichen progressiven Einkommensteuersatz (bis zu 45%) oder gar nicht versteuert werden müssen. Aus diesem Grund beschäftigen sich die nachfolgenden Kapitel intensiv mit den steuerlichen Implikationen von Masternodes.

Steuerliche Implikationen

Abgrenzung zur gewerblichen Tätigkeit

Bei Einkünften, die durch das Errichten einer Masternode erzielt werden, sind Parallelen zu einer Miningtätigkeit erkennbar. Da diese regelmäßig den Einkünften aus Gewerbebetrieb zugeordnet werden, ist dies auch für Masternodes zu prüfen.[8] Die Folgen einer Einstufung als Gewerbetreibender sind:

  • Verpflichtende Anmeldung bei dem zuständigen Gewerbeamt nach § 14 Abs. 1 S. 1 Gewerbeordnung (GewO)
  • Bei natürlichen Personen und Personengesellschaften Zahlung von Gewerbesteuer soweit der Freibetrag in Höhe von 24.500 EUR überschritten wurde
  • Derivative (§ 140 AO i.V.m. §§ 238 und 241a HGB) oder originäre (§ 141 AO) Buchführungspflicht

Um von gewerblichen Einkünften ausgehen zu können, müssten die positiven Tatbestandsmerkmale des § 15 Abs. 2 Einkommensteuergesetz (EStG) kumulativ erfüllt sein:[9]

  • Gewinnerzielungsabsicht
  • Nachhaltige Betätigung
  • Teilnahme am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr
  • Selbständigkeit

Gewinnerzielungsabsicht

Das Tatbestandsmerkmal erfordert, dass der Steuerpflichtige in der Absicht agiert, Gewinne zu erzielen. Davon abgrenzen lässt sich die nicht steuerbare Liebhaberei.[10] Diese liegt vor, wenn die Tätigkeit des Steuerpflichtigen nicht auf eine Einkunftserzielung ausgerichtet ist. Da die Errichtung einer Masternode hohe Investitionsbeträge erfordert sowie ein technisches Grundverständnis voraussetzt, kann nicht davon ausgegangen werden, dass der Steuerpflichtige dies nur aus moralischen und ideellen Gründen tätigt. Selbst wenn ein etwaiger Gewinn aus Sicht des Steuerpflichtigen lediglich ein Nebenprodukt aus einer Tätigkeit darstellt, welche er ohne finanziellen Anreiz betreibt, sollte dies regelmäßig nicht zu einer negativen Beurteilung des Tatbestandsmerkmals führen.

Nachhaltige Betätigung

Eine nachhaltige Tätigkeit wird in der Literatur als eine ,,auf Wiederholung angelegte Tätigkeit“ umschrieben.[11] Da die Intention einer Masternode zweifelsohne in der Generierung von passiven Einkommen liegt, ist bei der hohen Anfangsinvestition regelmäßig davon auszugehen, dass diese auf Dauer ausgerichtet ist.

Selbstständigkeit

Das Merkmal der Selbstständigkeit liegt vor, wenn der Steuerpflichtige Unternehmerinitiative und Unternehmerrisiko trägt.[12] Eine Tätigkeit auf eigene Rechnung (Unternehmerrisiko) ist gegeben, wenn der Steuerpflichtige das Risiko der Tätigkeit trägt, und direkt an anfallenden Gewinnen und Verlusten beteiligt ist. Einnahmen, die für den Steuerpflichtigen nominal keine Verluste darstellen können, stehen der Selbstständigkeit jedoch nicht entgegen, da eine Verlustbeteiligung nicht zwingend erforderlich ist.[13] Im Kontext von Masternodes sollte der Betreiber regelmäßig nur an Gewinnen und Verlusten i.S.v. Kursveränderungen beteiligt sein. Daher ist fraglich, ob im Einzelfall die aktive Teilnahme z.B. an Abstimmungsprozessen des Netzwerks und dadurch die indirekte Beeinflussung des Erfolgspotentials des Projekts – also des Kurswerts der Coins – die rein passive Tätigkeit des Haltens eines Investitionsobjektes überschatten kann. Denn wie die vorangegangenen wirtschaftlichen Untersuchungen zeigen, wird die Rendite der Totalperiode maßgeblich von Kursveränderungen und nicht von den durch den Betrieb der Masternode generierten Cash Flows beeinflusst.

Dies führt zur Fragestellung, ob der Betreiber einer Masternode Unternehmerinitiative entfalten kann. Dass Masternodes einen hohen Kapitaleinsatz erfordern, dürfte jedoch kein Kriterium zur Abgrenzung sein. Vielmehr gilt zu analysieren, ob die Initiative des Steuerpflichtigen die Erträge beinflussen kann. Dafür spricht, dass mit der Anzahl der erworbenen Masternodes die absolute Höhe des Ertrags gezielt gesteuert werden kann, wenn alle Faktoren, die für eine Auszahlung relevant sind, bekannt sind. Da die Variablen zur Einkommensbestimmung für den Steuerpflichtigen nur schwer zugänglich sind, und die für einen Erfolg entscheidenden Kursveränderungen i.d.R. nicht der Kontrolle des Nutzers obliegen, kann die Auszahlung und deren Wert in Euro als spekulative Größe angesehen werden. Weiter folgt die zu entlohnende Tätigkeit in Form von Weiterleiten und Überprüfen von Transaktionsnachrichten einem festgeschriebenen Konsensalgorithmus. Da der Investor somit nur eine Einlage tätigt, ist u.E. die Durchführung der Tätigkeit als unselbständig zu klassifizieren.

Die Tätigkeit des Betriebs einer Masternode an sich kann also aufgrund der fehlenden selbstständigen Ausführung und Erfolgskontrolle nicht entscheidend für eine Selbstständigkeit sprechen.

Aufgrund der Neuartigkeit der Thematik kann leider nicht auf Entscheidungskriterien bestehender Rechtsprechung zurückgegriffen werden um ein abschließendes Urteil abzuleiten.[14]

Teilnahme am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr

Gewerbeeinkünfte umfassen keine Tätigkeiten, die weder auf Güter- noch auf Leistungsaustausch gerichtet sind.[15] Das Merkmal erfordert, dass die Leistung des Steuerpflichtigen nach außen in Erscheinung tritt und sich an die Marktteilnehmer richtet. Die Tätigkeit muss für Außenstehende, jedoch nicht zwangsweise durch den Steuerpflichtigen selbst, erkennbar angeboten werden.[16] Im Kontext von Masternodes wendet sich der Betreiber den Marktteilnehmer zu. Er bietet durch seine Tätigkeit spezielle Funktionen an. Beispiele hierfür sind z.B. private und sofortige Transaktionen auf der DASH Blockchain, für welche der Masternode-Eigentümer vom System vergütet wird. Die Teilnahme am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr dürfte u.E. somit regelmäßig gegeben sein.

Ungeachtet der bisherigen Ergebnisse werden zur Vollständigkeit der Untersuchungen neben den positiven Voraussetzungen ebenfalls die drei negativen Abgrenzungstatbestände des Gewerbebetriebs geprüft. Diese sind wie folgt definiert:

  • Abgrenzung gegenüber der privaten Vermögensverwaltung
  • Abgrenzung gegenüber der selbstständigen Arbeit i.S.d. § 18 EStG
  • Abgrenzung gegenüber Land- und Forstwirtschaft i.S.d. § 13 EStG

Abgrenzung zur privaten Vermögensverwaltung

Um Einkünfte aus Gewerbebetrieb zu erzielen, muss die Tätigkeit über eine private Vermögensverwaltung hinausgehen. Der Rechtsprechung zufolge liegt dies neben weiteren Voraussetzungen vor, wenn die Umschichtung des Vermögens gegenüber der Nutzung im Sinne einer Fruchtziehung entscheidend in den Vordergrund tritt. Da zum Betreiben einer Masternode nur zwei Transaktionen notwendig sind (Tauschgeschäft von Euro in Coin-Währung der Blockchain und die Hinterlegung der Coins als Einlage) und die Fruchtziehung i.S.d. passiven Einkommens die wohl größte Intention des Anlegers darstellt, sollte dies keinen Gewerbebetrieb begründen können. Auch im weiteren Betrieb sind neben der einmaligen Investition, keine weiteren Aufwendungen notwendig, was weiterhin für ein nicht gewerbliches Gesamtbild sprechen sollte. Hierfür wären nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs Ausprägungsmerkmale wie das Unterhalten von Büroräumen, Mitarbeitern oder gewerbliche Stromtarifen für das Erscheinungsbild einer betrieblichen Organisation maßgeblich. So ist auch der Kauf- und Verkauf von Wertpapieren in einem größeren Umfang i.d.R. der privaten Vermögensverwaltung zuzuordnen, wenn die o.g. Merkmale des Gesamtbildes nichtzutreffend sind und der Steuerpflichtige nicht als Händler auftritt.[17]
Weiter kann argumentiert werden, dass viele Anleger die Entscheidung zum Betreiben einer Masternode erst nach einer Investition in Coins getätigt haben, und somit nur verfügbares Vermögen zur Fruchtziehung genutzt wird. Masternodes sollten somit regelmäßig die Grenze der privaten Vermögensverwaltung nicht überschreiten.

Abgrenzung zur selbstständigen Arbeit

Selbstständige Arbeit ist im Gegensatz zum Betrieb eines Gewerbebetriebs durch den Einsatz von geistiger Fähigkeit und der eigenen Arbeitskraft geprägt.[18] Um Einkünfte durch Masternodes zu erzielen sind jedoch keine speziellen Kenntnisse oder Fähigkeiten erforderlich, es muss grundsätzlich nur eine Kapitaleinlage in Form digitaler Wirtschaftsgüter geleistet werden. Die technischen Anforderungen an den Betreiber beschränken sich ausschließlich auf die Einrichtung und können durch im Internet verfügbare Leitfäden zumeist auch von technischen Laien bewältigt werden. Außerdem müssten für das Vorliegen von Einkünften aus selbstständigen Tätigkeit i.S.d. § 18 EStG – wie bei einem Gewerbebetrieb – alle vier der o.g. positiven Tatbestandsmerkmale erfüllt sein, was auch hier durch die u.E. fragliche Selbständigkeit nicht gegeben sein sollte. Ferner muss die Tätigkeit oder der Beruf entweder explizit im Gesetzestext aufgeführt werden, oder einer der aufgelisteten Tätigkeit ähnlich sein. Da auch diese Voraussetzung nicht zutrifft, dürfte der Betrieb einer Masternode nicht als selbstständige Tätigkeit nach § 18 EStG qualifizieren.

Abgrenzung zur Land und Forstwirtschaft

Da Einkünfte durch Masternodes nicht auf eine Nutzung des Bodens, der Viehzucht oder der Waldwirtschaft ausgerichtet ist, können keine Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft i.S.d. § 13 EStG vorliegen.

Fazit

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass der Betrieb einer Masternode – falls das Gesamtbild der Verhältnisse nicht dagegen spricht – regelmäßig nicht als gewerblich qualifizieren sollte.

Abgrenzug gewerblicher Tätigkeit bei Masternodes

Ertragssphäre

Da die positiven Cash Flows in ihrer Eigenschaft als passive Einkunftsquelle aus der Hingabe von Vermögenswerten charakteristisch einem Ertrag aus der Anlage bestehenden Vermögens darstellen, liegt eine ertragsteuerliche Einordnung als Einkünfte aus Kapitalvermögen i.S.d. § 20 EStG nahe.

Klassifizierung als Kapitaleinkünfte

In Betracht kommt eine Qualifikation als Dividende[19], Partiarisches Darlehen[20] oder sonstige Kapitalforderung[21]

Mögliche Einkunftsarten nach §20 EStG bei Masternodes

Wie sich zeigt, scheitert die Klassifizierung der Vergütung von Masternodes als Kapitalertrag an den Legaldefinitionen der Besteuerungstatbestände. Fraglich ist ob demnach Einkünfte aus sonstigen Leistungen gemäß § 22 Nr. 3 EStG vorliegen.

Klassifizierung als sonstige Einkünfte

§ 22 Nr. 3 EStG umfasst Einkünfte aus sonstigen Leistungen.[22] Durch das Subsidiaritätsprinzip kommt die Norm jedoch nur in Betracht, wenn keine andere Einkunftsart des EStG einschlägig ist, was nach den vorstehenden Analysen für Masternode Vergütungen zutreffen sollte.

Fraglich ist, ob das Betreiben einer Masternode eine sonstige Leistung i.S.d. § 22 Nr. 3 EStG darstellt. Eine solche wird in Literatur und Rechtsprechung als jedes Tun, Unterlassen oder Dulden beschrieben, dass eine Gegenleistung begründet.  Zwar ist vom Steuerpflichtigen außer der einmaligen Einrichtung keine proaktive Handlung vorzunehmen, bzw. beschränkt sich diese auf einen minimalen Wartungsaufwand. Dennoch stellt er durch den Betrieb des Masternode Servers Funktionen zur Verfügung, resp. Leistungen, die von den Teilnehmern des dezentralen Netzwerks in Anspruch genommen und durch einen Anteil am Block-Reward vergütet werden. Wie der weit gefassten Definition der “sonstigen Leistung” zu entnehmen ist, bedarf es ausdrücklich keiner andauernden körperlichen oder geistigen Handlung des Steuerpflichtigen, u.E. reicht daher die Bereitstellung von Rechenleistung regelmäßig aus. Vor diesem Hintergrund zeigt sich ebenso deutlich, dass die Einkunftsquelle nicht originär auf die notwendige Einlage von Vermögenswerten zurückzuführen ist, sondern vielmehr als Vergütung für die zu leistende Bereitstellung von Funktionalitäten verstanden werden sollte.

Folgt man dieser Betrachtungsweise zeigt sich, dass die ursprüngliche Einlage der Coins zwar eine Eintrittsbarriere darstellt, jedoch nicht den Anspruch auf eine Vergütung begründet.

Die Gegenleistung, die der Steuerpflichtige für seine Leistung erhält, kann dabei aus Geld- oder Sachwerten bestehen.[23] Damit sollten die Tatbestandsmerkmale des § 22 Nr. 3 EStG u.E. regelmäßig erfüllt sein und Einkünfte aus sonstigen Leistungen vorliegen.

Der Zeitpunkt der Besteuerung ist gemäß § 11 EStG durch das Zufluss-Abfluss-Prinzip geregelt.[24] Erhaltene Zahlungen müssen demnach mit dem jeweiligen Euro-Wechselkurs im Zuflusszeitpunkt auf die Exchange oder Wallet dokumentiert und offengelegt werden.[25]

Falls die gesamten Einkünfte aus sonstigen Leistungen in einem Kalenderjahr weniger als 256 € betragen, sind diese nicht steuerbar. Es sei darauf hingewiesen, dass es sich hierbei um eine Freigrenze und nicht um einen Freibetrag handelt, deren Überschreitung die Steuerpflicht der gesamten Einkünfte nach § 22 Nr. 3 EStG zur Folge hat. Da sich aufgrund der herrschenden Meinung mehrere Einkunftsarten im Bereich der Kryptowährungen unter den Auffangtatbestand des § 22 Nr. 3 EStG subsumieren lassen, ist darauf zu achten, dass sich die Freigrenze auf die addierten Einkünfte aus sonstigen Leistungen bezieht.

Vermögenssphäre

Verlautbarungen des Bundesministeriums der Finanzen sowie einschlägige Literatur zeigen, dass Kryptowährungen resp. private Wirtschaftsgüter den privaten Veräußerungsgeschäften gemäß § 23 EStG unterliegen.[26] Davon ausgenommen sind Wirtschaftsgüter, die sich nachweislich länger als ein Jahr im Besitz des Steuerpflichtigen befinden. Diese können steuerfrei veräußert werden.

Fehlen eines entgeltlichen Anschaffungsvorgangs

Coins, die der Steuerpflichtige durch den Betrieb einer Masternode erhält, wurden durch ihn selbst erstellt und haben somit keinen entgeltlichen Anschaffungsvorgang. Da das Tatbestandsmerkmal des privaten Veräußerungsgeschäftes einen Anschaffungsvorgang gegen Entgelt fordert,[27] sollten Verkäufe und damit verbundene Gewinne kein privates Veräußerungsgeschäft und damit steuerneutral zu behandeln sein.

Verlängerung der Spekulationsfrist

Oft diskutiert wird eine etwaige Verlängerung der Spekulationsfrist, wenn durch den Betrieb einer Masternode neue Coins zufließen. Gemäß § 23 EStG stellen Verkäufe von privaten Wirtschaftsgütern nur ein privates Veräußerungsgeschäft dar, insofern zwischen Anschaffung und Veräußerung nicht mehr als ein Jahr liegt. Falls durch das Wirtschaftsgut in zumindest einem Kalenderjahr Einkünfte erzielt werden, erhöht sich die Haltefrist gemäß § 23 Abs. 1 S. 1 Nr. 2 S. 4 EStG auf zehn Jahre. Eine Verzehnfachung der Haltefrist hätte enorme Auswirkungen auf das Anlageverhalten, steuerfreie Gewinne in einem derzeit noch sehr neuen und volatilen Markt wären nicht planbar. Masternodes würden somit zumindest in Deutschland weniger Interesse erfahren.
Die Einführung der Haltefristverlängerung lässt sich auf das Unternehmensteuerreformgesetz 2008 zurückführen. Die Verlängerung wurde aufgrund von Steuersparmodellen – sog. Containerleasingmodellen – eingeführt, um neben Mieteinnahmen steuerfreie Veräußerungen von Containern zu vermeiden. Gesellschaften kauften dabei Container und schlossen anschließend Mietverträge mit verschiedenen Parteien ab. Gleichzeitig verkaufte die Gesellschaft die Container an Investoren und bot ihnen Verwaltungsverträge, sowie zugesicherte Mieten und Rückkaufswerte an. Die Investoren erzielten mit den Containern Mieteinkünfte, welche steuerlich aufgrund der Beweglichkeit des Wirtschaftsguts als Einkünfte aus sonstigen Leistungen i.S.d. § 22 Nr. 3 EStG erfasst wurden. Die Investoren konnten dabei die Mieteinkünfte um eine sog. Absetzung für Abnutzung (AfA) der Container mindern. Diese bemisst sich gemäß § 7 Abs. 1 Satz 1 und 2 EStG nach der gewöhnlichen Nutzungsdauer eines Wirtschaftsgutes. Die Nutzungsdauer wird dabei zur Vereinfachung pauschal durch AfA-Tabellen des Bundesministeriums für Finanzen festgelegt. Transportcontainer besitzen hierbei eine Nutzungsdauer von zehn Jahren.[28] Die Einkünfte der sonstigen Leistungen i.S.d. § 22 Nr. 3 EStG wurden somit jährlich durch die pauschale AfA i.H.v. 10 % der Anschaffungskosten des Containers verringert, was regelmäßig nicht der tatsächlichen Abnutzung der Container entsprach und darin Ausdruck fand, dass der vereinbarte Rückkaufswert erheblich über dem steuerlichen Buchwert lag.
Die pauschale AfA entfaltet i.d.R. jedoch nur eine temporäre Wirkung, da eine Diskrepanz zwischen steuerlichem Buch- und tatsächlichen Marktwert spätestens bei Veräußerung im Rahmen eines privaten Veräußerungsgeschäftes durch entsprechende Adjustierung der Anschaffungskosten berücksichtigt wird.  Da vor dem Unternehmensteuerreformgesetz im Jahre 2008 allerdings Veräußerungen von privaten Wirtschaftsgütern ausnahmslos nach einem Jahr steuerfrei waren und somit eine steuerliche Berücksichtigung der AfA-Diskrepanz ausblieb, wurden derartige Containerleasingmodelle zu attraktiven Investitions- und Steuersparmodellen. Um das Erreichen der Steuerfreiheit zu verschieben, wurde die Haltefrist für vergleichbare Steuersparmodelle auf zehn Jahre erhöht. Die teleologische Normauslegung des Gesetzesentwurfs zeigt demnach, dass die Haltefristverlängerung nicht sinnwahrend auf nicht abnutzbare digitale Wirtschaftsgüter übertragbar ist.

Das grundsätzlich Abweichungen von der grammatikalischen Gesetzesauslegung möglich sind, zeigt Rechtsprechung und ein konsekutives Schreiben des Bayerischen Landesamts für Steuern zu Fremdwährungsdarlehen.[29]

Daher sollte u.E. das Risiko einer Verlängerung der Spekulationsfrist durch den Betrieb einer Masternode regelmäßig unbegründet sein.

§ 23 Abs. 1 S. 1 Nr. 2 S. 4 EStG ist als Missbrauchsbekämpfungsvorschrift zu verstehen, welche ferner aus einem konkreten Steuersparmodell geboren wurde. Bei signifikanten Investitionsbeträgen ist es jedoch aus Risikogesichtspunkten durchaus ratsam eine rechtsverbindliche Auskunft gemäß § 89 AO vor Beginn der Tätigkeit einzuholen.

Klaus Himmer ist Geschäftsführer und Mitgründer der 21 Consulting GmbH (www.cryptotax.io) sowie Senior Associate im Financial Services Tax bei einer großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in München (klaus.himmer@cryptotax.io).

Magnus Berchtold ist CFO und Mitgründer der 21 Consulting GmbH (www.cryptotax.io) sowie Senior Associate im Financial Services Tax bei einer großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in München (magnus.berchtold@cryptotax.io).

Jan Messmer ist Analyst bei der 21 Consulting GmbH  (www.cryptotax.io) sowie Student der informationsorientierten Betriebswirtschaftslehre an der Universität Augsburg (jan.messmer@cryptotax.io).

Klaus Hipfinger ist Mitgründer der Dash Embassy D-A-CH UG (haftungsbeschränkt) und zuständig für Administration und Controlling (hipfinger@dash-embassy.org).

 Die enthaltenen Informationen in diesen Artikel dienen allgemeinen Informationszwecken und beziehen sich nicht auf die spezielle Situation einer Einzelperson oder einer juristischen Person. Sie stellen keine betriebswirtschaftliche, rechtliche oder steuerliche Beratung dar. Im konkreten Einzelfall kann der vorliegende Inhalt keine individuelle Beratung durch fachkundige Personen ersetzen.

[1] Vgl. BERENTSEN, A./SCHÄR, F., Bitcoin, Blockchain und Kryptoassets, 2017, S. 255.

[2] Vgl. https://github.com/DASHpay/DASH/wiki/Whitepaper (abgerufen am 21.03.2018); https://pivx.org/wp-content/uploads/2017/03/PIVX-purple-paper-Technincal-Notes.pdf (abgerufen am 21.03.2018).

[3] Vgl. NAKAMOTO, S., 2008, https://bitcoin.org/bitcoin.pdf (abgerufen am 27.03.2018).

[4] Vgl. https://medium.com/verifyas/merkle-trees-simple-yet-powerful-4c44dad19539 (abgerufen am 01.04.2018).

[5] Vgl. BERENTSEN, A./SCHÄR, F., Bitcoin, Blockchain und Kryptoassets, 2017, S. 97 f.

[6] Vgl. SIXT, E., Bitcoins und andere dezentrale Transaktionssysteme, 2017, S. 36f.; http://Bitcoinblog.de/2014/03/05/wallets-im-vergleich (abgerufen am 26.03.2018).

[7] Vgl. https://github.com/DASHpay/DASH/wiki/Whitepaper (abgerufen am 21.03.2018).

[8] Vgl. BT-Drs. 19/370 vom 05.01.2018, S. 21.

[9] Vgl. BODE, W., in: Blümich, EStG, § 15, Rz. 13.

[10] Vgl. WACKER, R., in: Schmidt, EStG, § 15, Rz. 24.

[11] Vgl. STAPPERFEND, T., in: Herrmann/Heuer/Raupach, EStG/KStG, § 15, Rz. 1040; BODE, W., in: Blümich, EStG, § 15, Rz. 32.

[12] Vgl. STAPPERFEND, T., in: Herrmann/Heuer/Raupach, EStG/KStG, § 15, Rz. 1032-1035.

[13] Vgl. STAPPERFEND, T., in: Herrmann/Heuer/Raupach, EStG/KStG, § 15, Rz. 1032-1035.

[14] Vgl. BFH, U. v. 14.06.2007, VI R 5/06, in: BStBl II 2009, S. 931; BFH, U. v. 12.10.1978, IV R 1/77, in: BStBl II 1081, S. 706; BFH, U. v. 14.06.1985, VI R 150-152/82, in: BStBl II 1985, S. 661.

[15] Vgl. BFH, U. v. 16.09.2016, X R 43/12, in: BStBl II 2016, S. 48.

[16] Vgl. BODE, W., in: Blümich, EStG, § 15, Rz. 52.

[17] Vgl. BFH, U. v. 29.10.1998, XI R 80-97, in: BStBl II 1999, S. 448.

[18] Vgl. BFH, U. v. 10.10.1963, IV 198/62 S, in: BStBl III 1964, S. 120.

[19] Vgl. RATSCHOW, E., in: Blümich, EStG, § 20, Rz. 64, 68.

[20] Vgl. BFH, U. v. 21.05.2015, IV R 25/12, BStBl II 2015 S. 772.

[21] Vgl. WEIßBRODT, J./MICHALKE, D., Die sonstige Kapitalforderung i. S. von § 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG, in: DStR, 2012, S. 1535.

[22] Vgl. NACKE, A., in: Blümich, EStG, § 22, Rz. 13.

[23] Vgl. ECKHARDT, A., in: Kanzler/Kraft/Bäuml, EStG, § 22, Rz. 165.

[24] Vgl. WEBER-GRELLET, H., in: Schmidt, EStG, § 22, Rz. 143.

[25] Vgl. hierzu das Onlineangebot von CryptoTax unter www.cryptotax.io.

[26] Vgl. BT-Drs. 19/370 vom 05.01.2018, S. 21 f.; PINKERNELL, R., Ertrag- und umsatzsteuerliche Behandlung von Bitcoin-Transaktionen, 2015, S. 25; ECKERT, K.-P., Steuerliche Betrachtung elektronischer Zahlungsmittel am Beispiel sog. Bitcoin-Geschäfte, in: DB, 2013, S. 2110.

[27] Vgl. BFH, U. v. 22.09.1987, IX R 15/84, BStBl II 1988 S. 250.

[28] Vgl. BMF-Schreiben v. 15.12.2000, IV D 2-S 1551-188/00, BStBl I 2000 S. 1532.

[29] Vgl. LfSt Bayern-Schreiben v. 12.03.2013, S 2256.1.1-6/4 St32, in: BeckVerw 270378, Tz. 3.

Proof of Stake (PoS): Was sind die steuerrechtlichen Auswirkungen?

Proof of Stake (PoS): Was sind die steuerrechtlichen Auswirkungen?

Hintergrund

Verfechter von Kryptowährungen haben in der letzten Zeit immer häufiger mit Beschwerden über den exorbitant hohen Energieverbrauch von Proof of Work (PoW) basierten Blockchains zu kämpfen. [1] Diese Debatte wurde auch auf Entwicklerebene weitergeführt, sodass im Jahre 2013 die erste Kryptowährung mit einer PoS-Implementierung vorgestellt wurde.[2]
Da die Erstellung von Coins in der deutschen Rechtsliteratur bisher nur auf Mining fokussiert war, soll der nachfolgende Artikel die technische sowie steuerliche Behandlung von PoS-Coins analysieren und Einschätzungen darüber liefern.

Theoretische Grundlagen

Bei der Überprüfung der Legitimität von Transaktionen und der Findung des nächsten Blocks können verschiedene Konsensalgorithmen zum Einsatz kommen. Das derzeit bekannteste, auch bei Bitcoin eingesetzte Verfahren, ist PoW.  Miner müssen hierbei mit Hilfe von Rechenleistung mathematische Algorithmen lösen, um den jeweiligen Block-Reward sowie die anteiligen Transaktionskosten zu erhalten. Durch die zunehmende Anzahl an Minern wird die benötigte Rechenleistung immer größer und der Stromverbrauch nimmt weiter zu. [3]

Zurzeit erhalten Miner der Kryptowährung Bitcoin bei Blockfindung, welche durchschnittlich alle 10 Minuten vollzogen wird, [4] 12,5 Bitcoin.[5] Dieser Wert halbiert sich alle 210.000 Blöcke. Somit wird sich der Anteil des sog. Block Rewards an der Entlohnung im Laufe der Jahre reduzieren. Eine Verschiebung der Vergütung in Richtung der Transaktionskosten wäre die Folge, welche die ausführenden Nutzer tragen müssten.
Durch den Trend zur Zentralisierung der Hashrate-Verteilung auf Mining-Pools bei Bitcoin – die drei größten Pools nehmen mehr als 50% der gesamten Hashrate ein [6] – könnte außerdem das Konzept der Dezentralisierung in Gefahr geraten.

Um weiterhin die Legitimität und Sicherheit des Netzwerkes zu garantieren, und den zunehmenden Energieverbrauch zu verhindern, setzen daher viele Kryptowährungen auf die Konsensfindung mit Hilfe von PoS.

Vergleich Proof-of-Work (PoW) und Proof-of-Stake (PoS)

PoS und PoW als verschiedene Wege zur Konsensfindung teilen eine homogene Zielsetzung, das technische Verfahren, der Blockfindungprozess und das ökonomische Grundmodell weisen allerdings entscheidende Unterschiede auf. So muss zwar auch im Rahmen von PoS teilweise eine Full Node betrieben, d.h. ein Rechner konstant mit dem Netzwerk verbunden und dafür mit Strom versorgt werden. Im Gegensatz zu einer PoW basierten Konsensfindung stellt dies allerdings einen verschwindend geringen Einsatz benötigter Rechenleistung dar. Für Teilnehmer eines auf PoS basierenden dezentralen Netzwerkes besteht die Möglichkeit einen undefinierten Anteil ihrer Coins für eine bestimmte Blockanzahl ihrer Verfügungsmacht zu entziehen und damit an der Konsensfindung teilzunehmen.  Transaktionslegitimität wird sichergestellt, indem ein von den Konsensregeln abweichendes Verhalten mit dem Verlust der dem Netzwerk zur Verfügung gestellten Coins einhergeht sowie das Recht zum Teilhaben am Staking-Prozess erlischt. Da die meisten PoS-Blockchains sich in den Details ihrer Konsensusregeln unterscheiden, ist es nicht möglich eine klare technische Definition der Ausgestaltung des Konsensalgorithmuses unter PoS zu liefern. Es lassen sich jedoch zwei Haupttypen definieren.[7]

Chain-based PoS:

Der Algorithmus entscheidet welcher Staker das Recht zur Erzeugung des nächsten Blocks erlangt. Dieser Block muss den individuellen Regeln des System folgen. Durch die dauerhafte Erzeugung einzelner Blöcke der verschiedenen Validierer entsteht eine einzige wachsende Blockchain.

Byzantine Fault Tolerance PoS [8]:

Hierbei wird den Nutzern das Recht zugeschrieben einzelne Blöcke vorzuschlagen. Welcher Block letztendlich angenommen wird, entscheidet sich durch einen Prozess der sich über mehreren Runden zieht. Dabei werden von den Validierenden Stimmen abgegeben, welcher Block die Transaktionen aufnimmt.

Die Wahrscheinlichkeit der Blockfindung kann proportional zur Anzahl der dem Netzwerk zu Verfügung gestellten Coins sein. Je nach Blockchain können noch weitere Faktoren in den Auswahlprozess einfließen. Bekannte Methoden sind die zufällige Blockauswahl (randomized block selection) sowie die Berücksichtigung des Alters der Coins (coin age based selection).

Das ökonomische Modell von PoS, welches Netzwerksicherheit gewährleisten soll liegt darin, dass Staker selbst an den Kursveränderungen partizipieren. Ein Umtausch der Coins die als Sicherheit hinterlegt wurden, ist erst nach der zuvor festgelegten Zeit möglich. Daraus ergibt sich das wirtschaftlich rationale Verhalten, auf der Kette Blöcke zu finden, die dem Konsensus entsprechen, da Manipulationen i.d.R. zu einer Wertminderung des dem Netzwerk zu Grunde liegenden Vermögenswertes führen.

Zusammengefasst lassen sich die Vorteile der Verwendung eines PoS-basierenden Algorithmuses wie folgt definieren:

  • Weniger Energieverbrauch und somit weniger umweltbelastend
  • Weniger Risiko an Zentralisierung
  • Das “tragedy of commons scenario“ kann verhindert werden
  • Es ist keine zusätzliche Hardware notwendig um sich aktiv an der Konsensfindung zu beteiligen
  • Da Staker langfristig Token halten müssen, ist eine stärkere Bindung an das Projekt gegeben
  • Die Community wird stärker eingebunden
  • Passives Einkommen kann generiert werden

Da Mining für viele Kleininvestoren unrentabel wird, versuchen sich immer mehr Investoren an Coins mit PoS-Verfahren. Anreize werden weiterhin dadurch geschaffen, dass Investoren nicht nur an Kursgewinnen partizipieren, sondern durch Staking eine zusätzliche Einkunftsquelle geschaffen wird. Durch die dargelegten Vorteile des PoS-Systems kann davon ausgegangen werden, das vermehrt Coins auf diesen Algorithmus aufbauen, und somit die steuerlichen Implikationen für Anleger in den Vordergrund treten. Da bisher noch keine literarischen Quellen zu diesem Thema existieren, wird nachfolgend eine erste Einordnung im deutschen Ertragsteuerrecht vorgenommen. Die Ausführungen beziehen sich – insoweit nicht anders genannt – ausschließlich auf natürliche Personen.

Steuerliche Betrachtung

Abgrenzung zur gewerblichen und selbstständigen Tätigkeit:

Da Staking dem i.d.R. gewerblichen Mining zumindest in der Zielsetzung  ähnlich ist, stellt sich die Frage ob Staking gemäß § 15 Einkommensteuergesetz (EStG) den gewerblichen Einkünften zuzuordnen ist. [9] Bei einer Einstufung als Gewerbebetrieb bestünde eine obligatorische Anmeldung bei dem zuständigem Gewerbeamt nach § 14 Abs. 1 Satz 1 GewO sowie eine Verpflichtung zur Zahlung von Einkommen- und Gewerbesteuer, insoweit der Gewerbesteuerfreibetrag von 24.500 € (nur natürliche Personen + Personengesellschaften) gemäß § 11 Abs. 1 Satz 3 Nr. 1 Gewerbesteuergesetz (GewStG) überschritten wird.

Um von gewerblichen Einkünften ausgehen zu können, müssten nachfolgende Tatbestandsmerkmale nach § 15 Abs. 2 EStG kumulativ erfüllt sein:

  1. Gewinnerzielungsabsicht
  2. Nachhaltige Betätigung
  3. Teilnahme am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr
  4. Selbstständigkeit

Durch das Tatbestandsmerkmal der Gewinnerzielungsabsicht soll die nicht steuerbare Liebhaberei von steuerpflichtigen gewerblichen Einkünften abgegrenzt werden. [10] Hierfür muss sich der Steuerpflichtige bewusst um einen Totalgewinn innerhalb einer Periode bemühen. Eine fehlende Gewinnerzielungsabsicht muss durch objektive Merkmale ersichtlich werden. [11] Für eine rein vermögenserhaltende Tätigkeit spricht, dass Einkünfte aus Staking oftmals lediglich die vom System vorgesehene Inflationen ausgleichen. [12] Obwohl sich somit nur die Anzahl und nicht der Wert des jeweiligen Wirtschaftsgutes erhöht, kann dieses Argument nicht gegen eine Gewinnerzielungsabsicht vorgebracht werden. Da bei Anlagen mit gesetzlichen Zahlungsmitteln die Inflationsrate steuerlich unbedeutend ist, kann dies auch bei Kryptowährungen keinen Einfluss auf die Gewinnerzielungsabsicht haben.
Hinzu kommt, dass die dem Netzwerk zur Verfügung gestellten Coins – außer bei Missachtung der Konsensregeln – immer verfügbar bleiben [13] und somit ,,Zinserträge“ durch Staking Reingewinne darstellen. Eine Gewinnerzielungsabsicht kann demnach bejaht werden, da aktiv am Prozess teilgenommen wird der die absolute Anzahl an Wirtschaftsgütern erhöht.
Um die Einkünfte von einer gelegentlichen einmaligen Tätigkeit, deren Umfang nicht maßgeblich für Gewerbeeinkünfte ist, [14] abzugrenzen, gilt es das Merkmal der Nachhaltigkeit zu prüfen. [15] Für Nachhaltigkeit bei der Blockfindung im Rahmen des PoS-Algorithmus spricht, dass grundsätzlich nicht davon ausgegangen werden kann, dass diese einmalig vorgenommen wird. [16] Technisch bedingt müssen für eine erfolgreiche Blockfindung und die daraus resultierende Zahlung meist viele Berechnungen unternommen werden, während die hingegebenen Coins nicht verfügbar sind. Somit kann Staking als eine ,,auf Wiederholung angelegte” Tätigkeit beschrieben werden. Davon unterschieden wird der lediglich einmalig unternommene Versuch, welcher sich auf eine wenige Anzahl an Blöcken beschränkt. Staking kann im Gegensatz zum Mining ohne große Anfangsinvestitionen in Hardware betrieben werden. Hinzu kommt, dass abgesehen von Mindestinvestitionen, die bei einigen Blockchains getätigt werden müssen, keine speziellen technischen Geräte notwendig sind, was dafür spricht, dass es durchaus auch eine Vielzahl von “experimentellen” Stakingversuchen geben dürfte. Im Zweifel bleibt das Tatbestandsmerkmal der Nachhaltigkeit eine Einzelfallentscheidung, die neben technischen Aspekten auch grundlegend von der Intention des Investors getrieben sein sollte.

Gewerbeeinkünfte umfassen keine Tätigkeiten, die weder auf Güter- noch auf Leistungsaustausch gerichtet sind. [17] Die Tätigkeit muss für Außenstehende erkennbar angeboten werden um eine Teilnahme am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr zu bejahen. Staker sind notwendig um die Sicherheit und Transaktionslegitimität des Systems sicher zu stellen. Da eine proaktive Handlung notwendig ist, um sich an der Blockfindung zu beteiligen, stellt dies u.E. ein Angebot dar, welches durch Block-Rewards und/oder Transaktionskosten vergütet wird. Folglich sollte das Tatbestandsmerkmal regelmäßig erfüllt sein.

Selbstständigkeit liegt vor, wenn die Höhe der Einnahmen von der eigenen Tatkraft abhängig ist. [18] Das Risiko und die Verantwortung müssen dabei direkt bei dem Staker liegen. [19] Es muss eine direkte Beteiligung an wirtschaftlichen Gewinnen oder Verlusten gegeben sein. [20] Fraglich ist, ob die Hingabe von Coins als aktive Tätigkeit ausreicht, um die Höhe der Einnahmen selber beeinflussen zu können. Da die Wahrscheinlichkeit der Blockfindung und den daraus resultierenden Zahlungen dem Zufall unterliegen, kann der Steuerpflichtige die erhaltenen Zahlungen nicht konkret steuern. Das Merkmal der Selbstständigkeit kann deshalb zu Recht angezweifelt werden, da einem die tatsächliche Kontrolle über die Einnahmen fehlt. Weiter entspricht das Gesamtbild der Verhältnisse beim Staking im Gegensatz zum Mining regelmäßig nicht dem eines Gewerbebetriebs. Hohe Investitionsbeträge, spezielle Stromverträge sowie die Anmietung von Räumen lassen anhand der Verkehrsanschauung darauf schließen, Einkünfte aus Gewerbebetrieb zu erzielen. [21] Da dies im Rahmen des PoS Verfahren zumeist nicht nötig ist, sollte die fehlende selbstständige Kontrolle der Einnahmen regelmäßig dazu führen, dass das Tatbestandsmerkmal der Selbständigkeit nicht erfüllt ist.
Ungeachtet der bisherigen Ergebnisse werden zur Vollständigkeit der Untersuchungen neben den positiven Voraussetzungen ebenfalls die drei negative Abgrenzungstatbestände des Gewerbebetriebs geprüft. Diese werden wie folgt definiert:

  • Abgrenzung gegenüber der privaten Vermögensverwaltung
  • Abgrenzung gegenüber der selbstständigen Arbeit gemäß § 18 EStG
  • Abgrenzung gegenüber Land- und Forstwirtschaft i.S.v. § 13 EStG

Um von einer gewerblichen Tätigkeit zu sprechen, muss hierfür die Grenze der privaten Vermögensverwaltung überschritten werden. [22] Durch Vermögensumschichtung oder dem Erwerb und Verkauf einzelner Wirtschaftsgüter des Gesamtvermögens kann die Sphäre der privaten Vermögensverwaltung noch nicht überschritten werden. Es muss weiterhin die Umschichtung des Vermögens entscheidend gegenüber der Nutzung desselben in den Vordergrund treten. Da die erhaltenen Zahlungen eine Fruchtziehung des Vermögens und somit wesentlich sind, kann die einmalige Umschichtung (z.B. Euro in PoS-Coin) nicht im Vordergrund stehen.

Analogien sind in diesem Fall bei Wertpapieren zu finden. Auch hier ist der An- und Verkauf sowie die Fruchtziehung durch Zinsen und Dividenden nicht entscheidend für das Vorliegen eines Gewerbebetriebs. Der gewerbliche Charakter ergibt sich aus dem Umstand, dass der Steuerpflichtige als Händler auftritt. [23] Desweiteren sind keine Grenzen der Rechtsprechung wie bei einem gewerblichen Grundstückshandel bekannt, [24] so dass auch hieraus keine gewerbliche Tätigkeit resultieren kann. Das im Zweifelsfall entscheidende Gesamtbild unter Berücksichtigung der Verkehrsanschauung ist u.E. nicht für einen Gewerbebetrieb sprechend (s.o. zum Tatbestandsmerkmal der Selbstständigkeit).

Um als Einkünfte aus selbstständiger Arbeit i.S.d. § 18 EStG qualifizieren zu können, müssten wie bei einem Gewerbebetrieb alle vier oben genannten positiven Merkmale erfüllt sein. Da es bereits bei der Einordnung des Staking innerhalb des § 15 EStG an diesen Tatbestandsmerkmalen scheitert, kann Staking somit auch nicht als selbstständige Arbeit definiert werden. Weiter muss die Tätigkeit in 18 § EStG aufgeführt werden, oder einer der aufgelisteten Tätigkeit zumindest ähnlich sein. [25] Da auch diese Voraussetzung nicht zutrifft, scheidet eine Klassifizierung von Stakingerträgen als Einkünfte im Rahmen des § 18 EStG aus.

Da Staking nicht auf eine Nutzung des Bodens, der Viehzucht oder der Waldwirtschaft ausgerichtet ist, können keine Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft i.S.d. § 13 EStG vorliegen. [26]

Abschließend werden die bisherigen Erkenntnisse wie folgt zusammengefasst:

Staking bei Kryptowährungen - Abgrenzung zur gewerblichen Tätigkeit

In der Regel sollten somit beim Staking keine Einkünfte aus Gewerbebetrieb vorliegen, da die Einkünfte nach § 15 EStG durch mehrere Tatbestandsmerkmale klar abgegrenzt werden können. Besondere Vorsicht gilt allerdings bei Staking-Tätigkeiten im Rahmen des Betriebs einer  Masternodes. Hierfür sei auf unseren nächsten Artikel:,,Masternodes: Was sind die wirtschaftlichen und steuerrechtlichen Auswirkungen?​” verwiesen.

Ertragssphäre. Einkünfte aus Staking könnten aus vereinfachter steuerlicher Sicht mit nicht gewerblichem Mining gleichgestellt werden. [27] In beiden Fällen werden für das System notwendige Operationen durchgeführt, die durch die jeweilige Kryptowährung vergütet werden. Erhaltene Zahlungen im Rahmen der PoS-Blockfindung haben aber auch einen ähnlichen Charakter wie Einkünfte aus Kapitalvermögen, da sich die tatsächliche Tätigkeit des Investors auf das zur Verfügung stellen von Vermögenswerten begrenzt. Im Folgenden werden Einkünfte aus Staking auf ihre Eigenschaft als Kapitalerträge untersucht.

Dividenden

Einkünfte aus Staking können nicht den offenen Gewinnausschüttungen zugeordnet werden, da neben einem Gewinnverwendungsbeschluss kein Rechtsgrund im Gesellschaftsverhältnis vorliegt. [28] Erhaltene Coins durch Staking können somit nicht als Dividende definiert werden.

Partiarisches Darlehen

Ein partiarisches Darlehen setzt einen Kapitalrückforderungsanspruch voraus, [29] welcher bei einer Investition in Coins und dem damit verbundenen Staking nicht gegeben ist.  Einkünfte aus partiarischen Darlehen nach § 20 Abs. 1 Nr. 4 EStG liegen somit nicht vor.

Sonstigen Kapitalforderungen

Da die hingegebenen Coins Erträge erzielen, und vorerst kein Zugriff auf diese besteht, sind Erträge aus sonstigen Kapitalforderungen nach § 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG naheliegend. Die Kapitalforderung wäre in diesem Fall in den als Sicherheit hinterlegten Coins begründet.
Dagegen spricht, dass die Legaldefinition der Kapitalforderung voraussetzt, dass diese auf eine Geldleistung gerichtet sein muss. Sachwerte werden § 22 Nr. 3 EStG zugeordnet. Eine Geldleistung beschreibt eine Forderung gegen Geld, unabhängig davon, um welche Währung es sich handelt. Zwingend sei jedoch die Tatsache, dass die Forderung auf ein gesetzliches Zahlungsmittel lautet.  [30] Die Erträge können hierbei aus sämtlichen Entgelten oder wirtschaftlichen Vorteilen bestehen. Bei den Einkünften aus Kryptoassets bestehen zwar Erträge aus wirtschaftlichen Vorteilen i.S.v. Coins, jedoch ist bei einer Forderung auf Kryptowährung und nicht auf ein gesetzliches Zahlungsmittel gerichtet.

Da Staking damit nicht zu Einkünfte aus Kapitalvermögen führt und sich auch nicht unter eine der anderen Einkunftsarten subsumieren lässt, bleibt der Auffangtatbestand der Einkünfte aus sonstigen Leistungen gemäß § 22 Nr. 3 EStG. Als Leistung wird jedes Tun, Unterlassen oder Dulden beschrieben, dass eine Gegenleistung begründet. [31] Auslöser dieser Gegenleistung muss das Verhalten des Steuerpflichtigen sein. Der Beteiligte im PoS-Netzwerk muss dabei des Entgelts Willens gehandelt haben. [32] Davon von ist bei einer aktiven Beteiligung auszugehen. Die Gegenleistung, die durch die Handlung des Steuerpflichtigen ausgelöst wurde, kann dabei in Geld- oder Sachwerten ausbezahlt werden. [33] Somit werden auch Zahlungen auf virtueller Basis im Rahmen des § 22 Nr. 3 EStG erfasst. Zeitpunkt der Versteuerung ist gemäß § 11 EStG durch das Zufluss-Abfluss-Prinzip geregelt. [34] Prinzipiell muss der Wert des erhaltenen Coins bei Zufluss auf den eigenen Wallet oder Exchangeaccount in Euro festgehalten werden. Da Staking oft ein Hintergrundprozess ohne aktive Kontrolle ist, müssen meist im Nachhinein die erhaltenen Werte dokumentiert werden. Abhilfe dieser Problematik schaffen auch in diesem Fall IT-basierte Reportinglösungen. [35]

Einkünfte aus Leistungen i.S.d. § 22 Nr. 3 EStG umfassen somit auch Erträge, die der Steuerpflichtige durch die Teilnahme PoS-Verfahren erwirtschaftet. Diese werden durch den Überschuss der Einnahmen über die Werbungskosten errechnet. Falls die gesamten Einkünfte im Rahmen des § 22 Nr. 3 EStG, weniger als 256 € pro Jahr betragen, sind diese nicht einkommensteuerpflichtig. Es sei darauf hingewiesen, dass es sich hierbei um eine Freigrenze und nicht um einen Freibetrag handelt, deren Überschreitung die Steuerpflicht der gesamten Einkünfte nach § 22 Nr. 3 EStG zu Folge hat.

Vermögenssphäre. Wie die vorstehenden Ausführungen zeigen, ist der Zufluss auf den eigenen Wallet oder einen Exchangeaccount im Rahmen der sonstigen Einkünfte einkommensteuerpflichtig. Hinzu kommt, dass bei Verkauf der durch Staking erhaltenen Coins Gewinne oder Verluste anfallen können.

Grundsätzlich sind Kryptowährungen nach herrschender Meinung als Wirtschaftsgüter einzustufen,[36] welche bei Verkauf ein Veräußerungsgeschäfte i.S.d. § 23 EStG verursachen. Für die Prüfung eines steuerpflichtigen Vorgangs im Sinn des § 23 EStG bedarf es allerdings weitergehender Voraussetzungen. So muss neben einer Veräußerung des Wirtschaftsguts auch eine steuerlich wirksame Anschaffung desgleichen vorgelegen haben. Entscheidend ist hierbei, dass die durch Staking erhaltenen Wirtschaftsgüter durch eigene Leistung erzeugt wurden und damit ein entgeltlicher Erwerb nicht gegeben ist. Das Besteuerungsmerkmal der privaten Veräußerungsgeschäfte nach § 23 EStG erfordert jedoch explizit einen entgeltlichen Anschaffungsvorgang. [37] Da dieser im Bereich des Staking nicht identifiziert werden kann, sollten etwaige Kursgewinne bei einem Verkauf regelmäßig nicht steuerbar sein. Kursverluste die durch die Veräußerung von Coins realisiert werden, die ursprünglich aus einer Stakingtätigkeit zugeflossen sind bleiben folgerichtig ebenfalls steuerlich unberücksichtigt. [38]

Oft diskutiert wird eine etwaige Verlängerung der Spekulationsfrist, wenn durch Staking neue Coins zufließen. Gemäß § 23 EStG stellen Verkäufe von privaten Wirtschaftsgütern nur ein privates Veräußerungsgeschäft dar, wenn zwischen Anschaffung und Veräußerung nicht mehr als ein Jahr liegt. Falls durch das Wirtschaftsgut in zumindest einem Kalenderjahr Einkünfte erzielt werden, erhöht sich die Haltefrist gemäß § 23 Abs. 1 Nr. 2 S. 4 EStG auf 10 Jahre. Eine Verzehnfachung der Haltefrist hätte enorme Auswirkungen auf das Anlageverhalten, steuerfreie Gewinne in einem derzeit noch sehr neuen und volatilen Markt wären nicht planbar. Das PoS-Verfahren würde somit zumindest in Deutschland weniger Interesse erfahren.
Die Einführung der Haltefristverlängerung lässt sich auf das Unternehmensteuerreformgesetz 2008 zurückführen. Die Verlängerung wurde aufgrund von Steuersparmodellen – sog. Containerleasingmodellen – eingeführt, um neben Mieteinnahmen steuerfreie Veräußerungen von Containern zu vermeiden. Die teleologische Normauslegung des Gesetzesentwurfs zeigt, dass die Haltefristverlängerung bisher nicht auf Einkünfte aus der Betätigung an Konsensalgorithmen wie PoS übertragbar ist.

Weiterhin können Einkünfte durch Staking für diese Zwecke mit Zinsen verglichen werden. Da die erhaltenen Block-Rewards und Transaktionskosten Vergütungen für die zur Verfügung gestellten Coins sind, werden die Einkünfte nicht durch das Wirtschaftsgut an sich erzielt. Das Bayerische Landesamt für Steuern vertritt diese Auffassung für Fremdwährungsdarlehen. [39] Die erhaltenen Zinsen, welche als Einkünfte gemäß § 23 Abs. 1 Nr. 2 S. 4 EStG in Betracht kommen, stammen nicht aus dem Wirtschaftsgut Fremdwährung sondern resultieren vielmehr aus der auf Fremdwährung lautenden Kapitalforderung. Kryptowährungen, welche rechtlich keine Fremdwährung darstellen, aber durchaus mit ihnen vergleichbar sind, [40] sind ebenfalls als selbstständiges Wirtschaftsgut zu deklarieren. Vom Wirtschaftsgut abzugrenzen ist die Darlehensforderung, die entsteht, sobald der Steuerpflichtige Fremdwährungsguthaben als Festgeld anlegt. [41] Im Kontext des Stakings könnte die Hinterlegung der Coins im System sinnwahrend als abzugrenzende Forderung ggü. dem dezentralen Netzwerk, auf Grundlage von Vertragsbedingungen in der Blockchain Codebasis, darstellen. Die Zinsen die der Steuerpflichtige für sein Fremdwährungsguthaben erhält, sind Ausfluss der Kapitalforderung und nicht des selbstständigen Wirtschaftsgutes, womit eine Haltefristverlängerung nicht in Betracht kommt. Im Falle des Staking kann die temporäre Hingabe der Coins auch als Forderung gewertet werden, der Ausfluss entsteht durch das Bestätigen von Transaktionen und Finden von Blöcken und nicht durch das Wirtschaftsgut Kryptowährung. Zu beachten ist jedoch, dass die Legaldefinition der Kapitalforderung i.S.d. § 20 Abs. 1 Nr. 7 nicht erfüllt ist, und die analoge Behandlung noch durch keine Rechtsprechung bestätigt wurde. Die Abgrenzung dürfte aber indes begründet sein, da lediglich die Abgrenzung zum selbstständigen Wirtschaftsgut im Vordergrund steht, unabhängig davon ob es sich um Fremdwährung, Kapitalforderungen oder Alternativwährungen handelt.

Daher dürfte u.E. das Risiko einer Verlängerung der Spekulationsfrist durch die Teilnahme am Staking-Prozess regelmäßig unbegründet sein. § 23 Abs. 1 Nr. 2 S. 4 EStG ist als Missbrauchsbekämpfungsvorschrift zu verstehen, welche ferner aus einem konkreten Steuersparmodell geboren wurde.

Bei signifikanten Investitionsbeträgen ist es jedoch sehr ratsam zur Absicherung des wirtschaftlichen Vorhabens eine rechtsverbindliche Auskunft gemäß § 89 AO vor Beginn der Tätigkeit einzuholen.

Klaus Himmer ist Geschäftsführer und Mitgründer der 21 Consulting GmbH (www.cryptotax.io) sowie Senior Associate im Financial Services Tax bei einer großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in München (klaus.himmer@cryptotax.io).

Magnus Berchtold ist Mitgründer der 21 Consulting GmbH (www.cryptotax.io) sowie Senior Associate im Financial Services Tax bei einer großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in München (magnus.berchtold@cryptotax.io).

Jan Messmer ist Analyst bei der 21 Consulting GmbH  (www.cryptotax.io) sowie Student der informationsorientierten Betriebswirtschaftslehre an der Universität Augsburg (jan.messmer@cryptotax.io).

[1] Vgl. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/bitcoin-stromverbrauch-bedroht-globale-energiewende-a-1182234.html (abgerufen am 20.03.2018); https://www.ft.com/content/c166aa1e-c303-11e7-a1d2-6786f39ef675 (abgerufen am 20.03.2018).

[2] Vgl. https://peercoin.net/assets/paper/peercoin-paper.pdf (abgerufen am 20.03.2018).

[3] Vgl. https://www.theguardian.com/technology/2018/jan/17/bitcoin-electricity-usage-huge-climate-cryptocurrency, (abgerufen am 20.03.2018).

[4] Vgl. NAKAMOTO, S., 2008, https://bitcoin.org/bitcoin.pdf, S. 4.

[5] Vgl. BERENTSEN, A./SCHÄR, F., Bitcoin, Blockchain und Kryptoassets, 2017, S. 215.

[6] Vgl. https://blockchain.info/pools?timespan=24hours (abgerufen am 20.03.2018).

[7] Vgl. https://github.com/ethereum/wiki/wiki/Proof-of-Stake-FAQ (abgerufen am 20.03.2018).

[8] Vgl. https://steemit.com/neo/@basiccrypto/neo-s-consensus-protocol-how-delegated-byzantine-fault-tolerance-works (abgerufen am 20.03.2018).

[9] Vgl. RICHTER, L./AUGEL, C., Geld 2.0 (auch) als Herausforderung für das Steuerrecht, in: GmbHR, 2017, S. 944 f.; BT-Drs. 19/370 vom 05.01.2018, S. 21 f.

[10] Vgl. WACKER, R., in: Schmidt, EStG, § 15, Rz. 24.

[11] Vgl. BFH, U. v. 20.09.2007, IV R 20/05, BeckRS 2007, 25012875.

[12] Vgl. https://www.reddcoin.com/papers/PoSV.pdf (abgerufen am 20.03.2018).

[13] Vgl. https://hackernoon.com/what-is-proof-of-stake-8e0433018256, (abgerufen am 20.03.2018); https://github.com/ethereum/wiki/wiki/Proof-of-Stake-FAQ, (abgerufen am 20.03.2018).

[14] Vgl. BODE, W., in: Blümich, EStG, § 15, Rz. 34; BFH, U. v. 25.11.1970, I R 123/69, BStBl II 1971, S. 239.

[15] Vgl. WACKER, R., in: Schmidt, EStG, § 15, Rz. 17.

[16] Ein einmaliger Versuch zu Staken würde nur wenige Minuten dauern.

[17] Vgl. BFH, U. v. 16.09.2015, X R 42/12, in: BStBl II 2016, S. 48.

[18] Vgl. WACKER, R., in: Schmidt, EStG, § 15, Rz. 15.

[19] Vgl. REIß, W. in: Kirchhof, EStG, §15, Rz. 18.

[20] Vgl. BFH, U. v. 13.02.1980, I R 17/78, BStBl II 1980 S. 303.

[21] Vgl. BFH, U. v. 15.03.2005, X R 39/03, in: BStBl II 2005, S. 817.

[22] Vgl. BODE, W., in: Blümich, EStG, § 15, Rz. 56.

[23] Vgl. BODE, W., in: Blümich, EStG, § 15, Rz. 153.

[24] Vgl. BFH, U. v. 03.08.2004, X R 40/03, BStBl II 2005 S. 35.

[25] Vgl. WACKER, R., in: Schmidt, EStG, § 18, Rz. 5 f.

[26] Vgl. BFH, U. v. 22.01.2004, IV R 45/02, BStBl II 2004 S. 512.

[27] Zu Mining im Privatbereich vgl. RICHTER, L./AUGEL, C., Geld 2.0 (auch) als Herausforderung für das Steuerrecht, 2017, S. 946 f.

[28] Vgl. RATSCHOW, E., in: Blümich, EStG, § 20, Rz. 64, 68.

[29] Vgl. BFH, U. v. 21.05.2015, IV R 25/12, BStBl II 2015 S. 772.

[30] Vgl. WEIßBRODT, J./MICHALKE, D., Die sonstige Kapitalforderung i. S. von § 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG, in: DStR, 2012, S. 1535.

[31] Vgl. NACKE, A., in: Blümich, EStG, § 22, Rz. 161.

[32] Vgl. WEBER-GRELLET, H., in: Schmidt, EStG, § 22, Rz. 131.

[33] Vgl. NACKE, A., in: Blümich, EStG, § 22, Rz. 167; WEBER-GRELLET, H., in: Schmidt, EStG, § 22, Rz. 142.

[34] Vgl. WEBER-GRELLET, H., in: Schmidt, EStG, § 22, Rz. 143.

[35] Vgl. hierzu das Onlineangebot von CryptoTax unter www.cryptotax.io.

[36] Vgl. ECKERT, K.-P., Steuerliche Betrachtung elektronischer Zahlungsmittel am Beispiel sog. Bitcoin-Geschäfte, in: DB, 2013, S. 2109 f.; BAHN, D., Erfassung von Online-Bezahldiensten und Kryptowährungen in Buchhaltung und Bilanz, in: BBK, 2017, S. 717 f.

[37] Vgl. WEBER-GRELLET, H., in: Schmidt, EStG, § 23, Rz. 31.

[38] Vgl. WEBER-GRELLET, H., in: Schmidt, EStG, § 23, Rz. 97.

[39] Vgl. LfSt Bayern-Schreiben v. 12.03.2013, S 2256.1.1-6/4 St32, in: BeckVerw 270378, Tz. 3.

[40] Vgl. https://www.bafin.de/DE/Aufsicht/FinTech/VirtualCurrency/virtual_currency_node.html (abgerufen am 20.03.2018).

[41] Vgl. BFH, U. v. 02.05.2000, IX R 73/98, BStBl II 2000 S. 614.

Die enthaltenen Informationen in diesem Artikel dienen allgemeinen Informationszwecken und beziehen sich nicht auf die spezielle Situation einer Einzelperson oder einer juristischen Person. Sie stellen keine betriebswirtschaftliche, rechtliche oder steuerliche Beratung dar. Im konkreten Einzelfall kann der vorliegende Inhalt keine individuelle Beratung durch fachkundige Personen ersetzen.

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Bitcoin und andere Kryptowährungen – Warum Steuersünder erwischt werden

Bitcoin und andere Kryptowährungen – Warum Steuersünder erwischt werden

Das Thema Steuern im Zusammenhang mit Bitcoin und anderen Kryptowährungen rückt immer mehr ins Bewusstsein der Investoren und ist ein kontroverses Diskussionsthema in diversen Foren und Social Media Gruppen. Diese regen Diskussionen resultieren daraus, dass viele Kryptowährungen im Jahr 2017 Kursanstiege von über 1000 % vorweisen konnten und die daraus resultierenden Gewinne nun zum Großteil versteuert, auf jeden Fall aber in der Steuererklärung richtig angegeben werden müssen. Das Erstellen des Steuerreports übernimmt dabei aber nicht etwa wie bei Zinsgewinnen oder Dividendenzahlungen das „Kreditinstitut“, bzw. in diesem Fall die Kryptobörse für den Anleger. Da Kryptowährungen in Deutschland nach Paragraph 23 Einkommensteuergesetz steuerlich wie private Wirtschaftsgüter behandelt werden, müssen Investoren selbst seine steuerliche Bemessungsgrundlage berechnen und in ihrer Steuererklärung angeben. Aufgrund unzähliger Trades, vieler Sonderfällen und einer teilweise unklaren Rechtslage im Kryptowährungsbereich gestaltet sich das oft sehr schwierig. Auch wenn eine Mehrheit der Nutzer im Netz darüber debattiert, wie sie ihre Gewinne richtig behandeln und in der Steuererklärung angeben können, gibt es auch viele Negativbeispiele:

Bitcoin und Kryptowährungen: Steuerhinterziehung

Einige Nutzer denken, sie könnten bei Trades mit Blockchain-Assets unbehelligt Steuern hinterziehen. Oft ist hier die vorherrschende Meinung, dass Kryptowährungen „anonym“ sind und somit nicht vom Finanzamt nachverfolgt werden können. Abgesehen davon, dass Steuerhinterziehung – egal ob man erwischt wird oder nicht – eine schwere Straftat ist die nach Paragraph 370 der Abgabenordnung mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren geahndet wird, ist diese Annahme auch grundlegend falsch.

DENN: Die Blockchain vergisst nie

Das Konzept einer Blockchain ist es, dass die komplette Transaktionshistorie dezentral gespeichert wird und von jedem Nutzer eingesehen werden kann. Somit können alle Trades ganz genau zurückverfolgt werden und es ist immer klar wer wie viele Assets hält. Wie die Finanzverwaltung diese Möglichkeiten in Zukunft nutzen kann beschreibt CryptoTax CEO Klaus Himmer im Gespräch mit Deutschlandfunk:

Da alles auf der Blockchain gespeichert ist, wird auch die Finanzverwaltung immer mehr technische Mittel erforschen und dann auch betreiben, die eben auch retrospektiv die Blockchain auslesen und dementsprechend Steuersünder im Nachhinein identifizieren können.

Da die meisten Dienste bei der Einzahlung mit FIAT Geld eine Verifizierung der Identität verlangen, ist diese Einzahlung einem bestimmten Individuum zuzuordnen. Auf dieser Basis kann dann dessen komplette Transaktionshistorie aufgedeckt und damit auch eine mögliche Steuerschuld nachgewiesen werden. Zwar unterliegen die gespeicherten personenbezogenen Informationen in Deutschland dem Datenschutzgesetz, sind deshalb aber lange noch nicht vor den Behörden sicher. Die Plattform Bitcoin.de beschreibt die gängige Praxis in ihrem FAQ wie folgt: „Bei Anfragen von Ermittlungsbehörden zu konkreten Straftaten sind wir gesetzlich berechtigt Daten an diese auch ohne richterlichen Beschluss herauszugeben. Wenn uns von Behörden glaubhaft gemacht wird, dass ein konkreter Verdacht auf eine Straftat vorliegt, geben wir Daten an die anfragenden Behörden auch ohne richterlichen Beschluss heraus.“ Diese Weitergabe von Daten an offizielle Instanzen wurde von Bitcoin.de auch in die Tat umgesetzt wie Motherboard in ihrem Artikel vom 1. August 2017 aufgedeckt haben.

Aber auch wer sein Geld anonym in den Markt gebracht hat, wird in Zukunft Probleme bekommen sich bedeckt zu halten. Mittlerweile gibt es selbst auf vielen Börsen die keine FIAT Schnittstelle haben die Pflicht seine Identität nachzuweisen. Die beliebte Börse Bittrex schreibt in ihrem FAQ zum Thema Verfikation (in Englisch), dass alle Accounts im Rahmen ihres „Anti-Geldwäsche- Richtlinien“ und ihres „KYC-(Know Your Costumer) Programmes“ verifiziert werden müssen. Sie geben außerdem an, dass diese Maßnahmen von den US- Aufsichtsbehörden angeordnet bzw. auferlegt wurden.

Die Schlinge um Steuersünder zieht sich also immer weiter zu. In absehbarer Zeit wird es als normaler Nutzer nahezu unmöglich sein komplett anonym zu traden und Transaktionen durchzuführen. Aber diese Entwicklung trifft nicht nur Investoren die mit Vorsatz Steuerhinterziehung begehen. Auch privaten Anleger, die aus Unwissenheit unvollständige oder falsche Angaben in ihrer Steuererklärung machen, werden dadurch steuerrechtlich belangbar. Laut einer aktuellen Veröffentlichung des Frankfurt School Blockchain Centers könnten diese Thematik ca. 400.000 Investoren alleine in Deutschland betreffen.

Deshalb ist die eingangs angesprochene Diskussion über die Besteuerung von Kryptowährungen in Deutschland auch gut und wichtig. Jedem Investor sollte klarwerden, dass der Handel mit Bitcoin und anderen Kryptowährungen steuerlich relevant und von den Finanzbehörden nachverfolgbar ist. Nur so kann gewährleistet werden, dass niemand unwissentlich Steuerhinterziehung begeht. Einige unbelehrbare Einzelpersonen werden sich jedoch auch von diesen Aussichten nicht einschüchtern lassen, sich jedoch dann auch früher oder später für ihre Handlungen verantworten müssen.

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Rechtliche Einordnung Blockchain-basierter Assets

Rechtliche Einordnung Blockchain-basierter Assets

Der Ökonom und Nobelpreisträger Friedrich August von Hayek hatte die Idee eines freien Währungswettbewerbs. Kryptowährungen als Alternative zu den gesetzlichen Zahlungsmitteln stellen einen bedeutenden Schritt zur Verwirklichung des hayekschen Experimentes dar. Fraglich ist, wie die digitalen Alternativ-„Währungen“ rechtlich zu klassifizieren sind.

Einordnung nach öffentlichem Recht

Währungsrecht. Etliche Publikationen bezeichnen den Bitcoin als „virtuelle Währung“. [1] Allerdings zielt diese Klassifizierung nur auf die abstrakte bzw. wirtschaftliche Komponente des modernen Währungsbegriffs ab. Denn  Blockchain-basierte Assets können die drei Kriterien Tausch- und Zahlungsmittel-, Wertaufbewahrungs- und Recheneinheitsfunktion erfüllen. [2] Der rechtliche, konkrete Terminus „Währung“ ist dagegen auf das staatliche hoheitliche Währungsrecht beschränkt. [3] Ferner fordert die hM eine obligatorische Verbindung zwischen den abstrakten und konkreten Währungsvoraussetzungen.. [4] Da keine Kryptowährung bisher von einem Staat zum gesetzlichen Zahlungsmittel erklärt wurde, ist weder bei Bitcoins noch bei einem anderen Token der abstrakte oder konkrete Währungsbegriff einschlägig. [5] Ein weiterer interessanter Fakt, der ebenso gegen eine Geldfunktion spricht, ist ein Bewertungsphänomen von öffentliche Blockchains, welche die gesamte Transaktionshistorie eines Tokens abbilden. [6] Dadurch kann es dazu kommen, dass z.B. ein bestimmter Bitcoin weniger wert ist als ein anderer, da er eine Vorgeschichte aufweist, die mit kriminellen Machenschaften in Verbindung gebracht wird. [7]

Steuerrecht. Aus ertragsteuerrechtlicher Sicht ist bislang noch keine allgemeingültige Klassifizierung Blockchain-basierter Assets möglich. [8] Der Bitcoin wird vom deutschen Bundesministerium der Finanzen (BMF) für Zwecke der Ertragsteuer als privates Wirtschaftsgut gesehen. Folglich unterliegt er wie Fremdwährungen dem Besteuerungsregime des § 23 Einkommensteuergesetz (EStG) und nicht – wie die meisten Finanzanlagen – der Abgeltungsteuer. [9]

Für Zwecke der Umsatzsteuer entschied der EuGH, dass Bitcoins wie gesetzliche Zahlungsmittel zu behandeln und Geschäfte mit diesen demnach umsatzsteuerbefreit sind. [10] Dies ergibt sich aber nicht aus einer eigenständigen Rechtseinordnung „virtueller Währungen“ durch den EuGH. Vielmehr ist es eine Konsequenz aus der teleologischen Auslegung der Mehrwertsteuerrichtlinie. [11]

Aufsichtsrecht. Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht „virtuelle Währungen“ nicht primär als Zahlungsmittel, sondern als Spekulationsobjekt – vergleichbar mit Rohstoffinvestitionen. [12] Ebenso die deutsche Bundesbank, deren Vertreter schon länger diese Auffassung in den Medien vertreten. [13] Begrifflich unscharf äußert sich die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA), welche in einer Verbraucherwarnung Bitcoins als eine „bestimmte Art von nicht reguliertem digitalen Geld, das nicht von einer Zentralbank herausgegeben oder gesichert wird“ [14] bezeichnet.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) qualifiziert in einer ausführlichen Stellungnahme Bitcoins einheitlich als Finanzinstrumente in Form von Rechnungseinheiten gem. § 1 Abs. 11 S. 1 Kreditwesengesetz (KWG). Sie spricht sich klar gegen eine Einordnung als E-Geld im Sinne des Zahlungsdiensteaufsichtsgesetzes (ZAG) aus, da es keinen Bitcoin-Emittenten gibt. Somit ist sichergestellt, dass Bitcoin- Dienstleister einer Erlaubnispflicht und Regulation unterliegen.

Keine europäische Aufsichtsbehörde folgt der amerikanische Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC). [15] Diese setzt Blockchain-basierte Assets börsennotierten Papieren gleich, insoweit sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen. [16]

Einordnung nach privatem Recht

Zivilrecht (BGB). Da es sich bei Bitcoins nicht um körperliche Gegenstände handelt, scheidet eine Einordnung als Sache im Sinne der §§ 90ff. Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) aus. [17] Es handelt sich um Immaterialgüter, an welchen zunächst kein Eigentum bestehen kann, lediglich ein immaterialgüterrechtlicher Schutz. [18] Ein solcher kann sich jedenfalls nicht aus dem Urheberrecht oder anderen kodifizierten Gesetzen ergeben. [19] Demnach können Bitcoins als gemeinfrei bezeichnet werden, [20] d.h. Transaktionen finden allein auf einer schuldrechtlichen Ebene statt, da sie keiner dinglichen Rechtsposition zugänglich sind. [21] Demnach wären Bitcoins allenfalls in Verbindung mit einem Hardware-Datenträger (USB-Stick, Paper-Wallet, etc.) eine Sacheneigenschaft zuzuweisen. [22]

Handelsrecht (HGB). Nach dem Handelsgesetzbuch (HGB) liegt ein bilanzierungsfähiger Vermögensgegenstand vor, insoweit eine abstrakte Aktivierungsfähigkeit, d.h. Schuldendeckungspotential vorliegt. [23] Da Bitcoins und andere Blockchain-basierte Assets über Internethandelsplattformen jederzeit gegen staatliches Fiat-Geld veräußert werden können handelt es sich handelsrechtlich um aktivierungspflichtige Vermögensgegenstände. [24]

Fazit

Die Analyse zeigt, dass die Betrachtung nach deutschem Recht zu keinem abschließenden Urteil kommt. Eine wichtige Erkenntnis ist, dass Blockchain-basierte Assets aus rechtsdogmatischer Sicht scharf von Währungen abzugrenzen sind. Eine recht präzise Einordnung kann im Handels- und Aufsichtsrecht vorgenommen werden. In anderen Rechtsgebieten befindet sich die Rechtsanwendung allerdings noch in den Kinderschuhen.

Klaus Himmer. ist Geschäftsführer und Mitgründer der 21 Consulting GmbH (www.cryptotax.io) sowie Senior Associate im Financial Services Tax bei der großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft im München (klaus.himmer@21consulting.de)

Die enthaltenen Informationen in diesen Artikel dienen allgemeinen Informationszwecken und beziehen sich nicht auf die spezielle Situation einer Einzelperson oder einer juristischen Person. Sie stellen keine betriebswirtschaftliche, rechtliche oder steuerliche Beratung dar. Im konkreten Einzelfall kann der vorliegende Inhalt keine individuelle Beratung durch fachkundige Personen ersetzen.

[1] Omler, Sebastian, (JZ 2017): Geld und Währung als Digitalisate: Normative Kraft des Faktischen und Geldrechtsordnung, in: Juristenzeitung, 2017, S. 754 – 763, S. 758.
[2] Hafke, Heinz Christian, Geld und „Geld“, Währung und „Währung“, in: Calliess, Christian (Hrsg.), Herausforderungen an Staat und Verfassung, Völkerrecht – Europracht – Menschenrechte, Liber Amicorum für Torsten Stein zum 70. Geburtstag, 1. Auflage 2015, S. 106 – 122, S. 109; Kriterien z.B. in Samm, Carl-Theodor, „Geld“ und „Währung“ – begrifflich und mit Blick auf den Vertrag von Maastricht, in: Weber, Albrecht (Hrsg.), Währung und Wirtschaft: Das Geld im Recht, Festschrift für Hugo J. Hahn zum 70. Geburtstag, 1. Auflage 1997, S. 227 – 244, S. 230f.
[3] Elster, Karl, Die Seele des Geldes. Grundlagen und Ziele einer allgemeinen Geldtheorie, 2. Auflage 1923, S. 212; Helfferich, Karl, Das Geld, 6. Auflage 1923, S. 412; Nussbaum, Arthur, Das Geld in Theorie und Praxis des deutschen und ausländischen Rechts, 1925, S. 44; Reinhuber, Nikolaus, Grundbegriffe und internationaler Anwendungsbereich von Währungsrecht, 1995, S. 6.
[4] Hahn, Hugo J. und Häde Ulrich, Währungsrecht, 2. Auflage 2010, § 2, Rn. 2f.
[5] Omler, JZ 2017, 754, 758; Hafke, in: Calliess, 106, 113; Diese begriffliche Differenzierung ist von entscheidender Bedeutung. Insb. da bereits auch der EuGH sich dieser terminologischen Unschärfe hingegeben hat: EuGH, MMR 2015, 12, Rn. 11.
[6] Hierzu ist anzumerken, dass bereits einige Blockchains erfolgreich mit Verschlüsselungsmechanismen arbeiten um Transaktionshistorien zu anonymisieren, vgl. Zerocoin Protokoll unter http://spar.isi.jhu.edu/~mgreen/ZerocoinOakland.pdf.
[7] Jo Pesch, Paulina, Cryptocoin-Schulden: Haftung und Risikoverteilung bei der Verschaffung von Bitcoins und Alt-Coins, in: Hoeren, Thomas/Spindler, Gerald/Holznagel, Bernd/u.a. (Hrsg.), Schriftenreihe Information und Recht, Band 85, 2017, S. 95.
[8] Himmer, Klaus, Besteuerung von digitalen Assets wie Kryptowährungen und Tokens, 2017, abrufbar unter: https://medium.com/@fsblockchain/besteuerung-von- digitalen-as- sets-wie-kryptowährungen-und- tokens-c050a06b3e6b (abgerufen am 23.12.2017).
[9] Hafke, in: Calliess, 106, 115; BMF, Antwortschreiben an Frank Schäffler MdB vom 07.08.2013 zur schriftlichen Frage Nr. 408 für den Juli 2013, IV C 1 — S. 2256/0–01.
[10] EuGH, MMR 2015, 12, Rn. 53.
[11] Ebenda, Rn. 51.
[12] Canepa, Francesco, ECB’s Constancio compares Bitcoin to Dutch tulip mania,
2017, abrufbar unter: https://www.reuters.com/article/us-ecb- bitcoin-stability/ecbs-constancio- compares-bitcoin- to-dutch- tulip-mania-idUSKCN1BX26C (abgerufen am 23.12.2017).
[13] Weidmann, Jens, Zur Kritik an der Niedrigzinspolitik, Rede bei der Tagesspiegel-Veranstaltung „DeutschlandAgora 2014“, 2014.; Thiele, Carl-Ludwig und Diehl, Martin, Stabiles Geld braucht eine stabilitätsorientierte Geldpolitik, in: Kryptowährung Bitcoin: Währungswettbewerb oder Spekulationsobjekt: Welche Konsequenzen sind für das aktuelle Geldsystem zu erwarten?, ifo Institut (Hrsg.), ifo-Schnelldienst 70 (22), 2017, S. 3 – 6, S. 6.
[14] European Banking Authority, Warning to consumers on virtual currencies, 2013, abrufbar unter: https://www.eba.europa.eu/documents/10180/598344/EBA+Warning+on+Virtual+Currencies.pdf (abgerufen am 21.12.2017).
[15] Münzer, Jens, Bitcoins: Aufsichtliche Bewertung und Risiken für Nutzer, 2013, abrufbar unter: https://www.bafin.de/SharedDocs/Veroeffentlichungen/DE/Fachartikel/2014/fa_bj_1401_bitcoins.html (abgerufen am 23.12.2017).
[16] Securities and Exchange Commission, Release No. 81207: Report of Investigation Pursuant to Section 21(a) of the Securities Exchange Act of 1934: The DAO, 2017, abrufbar unter: https://www.sec.gov/litigation/investreport/34-81207.pdf (abgerufen am 23.12.2017).
[17] Kuhlmann, Nico, (CR 2014): Bitcoins Funktionsweise und rechtliche Einordnung der digitalen Währung, in: Computer und Recht, 2014, S. 691 – 696, S. 695; Engelhardt, Christian und Klein, Sascha, (MMR 2014): Bitcoins – Geschäfte mit Geld, das keines ist – Technische Grundlagen und zivilrechtliche Betrachtung, in: MultiMedia und Recht, 2014, S. 355 – 360, S. 357.
[18] Sorge, Christoph und Kütük, Merih Erdem, (MMR 2014a): Bitcoin im deutschen Vollstreckungsrecht – Von der „Tulpenmanie” zur „Bitcoinmanie”, in: MultiMedia und Recht, 2014, S. 643 – 646, S. 644; Engelhardt/Klein, MMR 2014, 355, 357.
[19] Omler, JZ 2017, 754, 758; Engelhardt/Klein, MMR 2014, 355, 357.
[20] Psczolla, Jan-Peter, Onlinespielrecht – Rechtsfragen im Zusammenhang mit Onlinespielen und virtuellen Parallelwelten, 2008, S. 75.
[21] Preuß, Jesko, Rechtlich geschützte Interessen an virtuellen Gütern, 1. Auflage 2009, S. 114; Engelhardt/Klein, MMR 2014, 355, 357.
[22] Selbst dies ist umstritten. Die herrschende Literaturmeinung und Rechtsprechung bejaht die Sachqualität von Daten, insoweit sie auf einen Datenträger gespeichert sind: Tita, Rolf-Thomas, (VW 2001): Umfang und Grenzen der Softwareversicherung nach Kl. 028 zu den ABE (I), in: Die Versicherungswirtschaft, 2001, S. 1696ff, S. 1696, 1698; Spindler, Gerald und Klöhn, Lars, (CR 2003): Neue Qualifikationsprobleme im E-Commerce, in: Computer und Recht, 2003, S. 81 – 86, S. 82; Marly, in: Soergel, Theodor (Hrsg.), Bürgerliches Gesetzbuch mit Einführungsgesetz und Nebengesetzen – Band 1: Allgemeiner Teil 1. §§ 1 – 103 BGB, 13. Auflage 2000, § 90, Rn. 3; BGH, MMR 2007, 243; OLG Karlsruhe NJW 1996, 200, 201; a.A.: LG Konstanz, NJW 1996, 2662; AG Brandenburg, ITRB 2002, 199; Fritsche, in: Bamberger, Heinz Georg/Roth, Herbert/Hau, Wolfgang/u.a. (Hrsg.), Beck’scher Online-Kommentar (BGB), 30. Edition 2013, § 90, Rn. 26.
[23] Baetge, Jörg/Kirsch, Hans-Jürgen/Thiele, Stefan, Bilanzen, 14. Auflage 2017, S.159f.
[24] Kirsch, Hans-Jürgen und von Wieding, Fabian, (BB 2017): Bilanzierung von Bitcoin nach HGB, in: Betriebs-Berater, 2017, S. 2731 – 2735., S. 2733.

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Soft und Hard Forks: Was sind die wirtschaftlichen und steuerrechtlichen Auswirkungen?

Soft und Hard Forks: Was sind die wirtschaftlichen und steuerrechtlichen Auswirkungen?

Vom DAO-Hack über Segwit bis Bitcoin Gold – Forks erwecken zunehmend das Interesse von Investoren und Presse. Fraglich ist, mit welchen wirtschaftlichen und steuerlichen Implikationen zu rechnen ist.

Hintergrund

Seit dem Genesis Block von Bitcoin (BTC) hat die Bitcoin-Blockchain bereits etliche Forks erlebt. Insbesondere im Jahr 2017 kam es zu einer Ballung sog. Hard Forks, welche durch die verstärkte Berichterstattung rund um das Thema Blockchain nun auch bei den breiten Massen angekommen sind. Nachfolgende Abbildung gibt einen Überblick über die in 2017 und 2018 stattgefundenen Hard Forks der Bitcoin-Blockchain:

Zeitliche Übersicht der Bitcoin Hard Forks

Abbildung 1: Übersicht über Bitcoin Hard Forks in 2017 und 2018

Open-Source. Das entscheidende Merkmal eines Open-Source Projektes ist per definitionem die öffentliche Verfügbarkeit des Quellcodes. Dies ermöglicht u.a. das Kopieren resp. „Forken“ des Codes, um diesen z.B. um eine nützliche Funktion zu erweitern und via Pull-Request wieder in das Ursprungsprojekt einzubringen.[1]

Da es sich bei den meisten großen Blockchains um Open-Source Projekte handelt, besteht auch hier diese Möglichkeit. So wird der Community ermöglicht aktiv an der Entwicklung des Projektes teilzuhaben oder ein eigenes Projekt auf der (modifizierten) Code-Ausgangsbasis zu starten. So stellt z.B. die Kryptowährung DASH einen Fork der Bitcoin-Blockchain dar.[2]

Blockchain. Bei Blockchains handelt es sich hingegen um dezentrale Systeme. D.h., wenn Anpassungen in der Codebasis einer bestehenden Blockchain vorgenommen werden, müssen ggf. sämtliche Nodes im Netzwerk ein Softwareupdate durchführen, um weiterhin miteinander kommunizieren zu können. Handelt es sich um Änderungsvorhaben wie beispielsweise die Änderung der Blocksize, werden Blöcke, welche die alte Blockgröße aufweisen nicht mehr von der neuen Software akzeptiert (und vice versa). Dies führt dazu, dass temporär zwei Blockchains bestehen können, bis alle Beteiligten das Update durchgeführt haben und die Chain mit der alten Software zum Erliegen kommt.

Der Zeitpunkt der Abspaltung wird als Hard Fork bezeichnet und führt dazu, dass Coin-Besitzer auf der Ursprungschain nun Coins in gleicher Anzahl auf der abgespaltenen Chain besitzen. Dies ist zumeist unbedeutend, da bei einem Softwareupdate die Blockchain mit veralteter Software eine kurze Lebensdauer aufweist und es keine Verwendung bzw. Käufer für deren Coins gibt. Anders verhält es sich, wenn ein Teil der Community sich den Neuerungen verschließt und beide Chains zu unabhängigen Projekten werden. Spätestens wenn Börsendienstleister den Handel für beide Coins anbieten, verfügen Investoren des Ursprungstokens über ein zweites Asset, dem tatsächlich ein Geldwert beizumessen ist.

Interessant für Investoren dürfte die Frage nach dem ökonomischen und rechtlichen Hintergrund dieser Vorgänge sein. Bieten Forks Trading-Opportunities zur Renditeoptimierung und ergeben sich steuerliche Folgen?

Theoretische Grundlagen

Soft vs. Hard Fork. Es wird zwischen Soft und Hard Forks bei der Veränderung der Akzeptanzregeln unterschieden. Soft Forks sind rückwärtskompatibel, d.h. es ist nicht zwingend notwendig, dass alle Nodes ein Update durchführen, denn die neue und alte Software können koexistieren.[3] Soft Forks fügen dem bestehenden Regelwerk neue Regelungen hinzu. Nodes, die kein Update durchführen, verstehen zwar die neue Information nicht, akzeptieren allerdings neue Blöcke, da sie auch vollständig dem alten Regelwerk entsprechen. Die neuen Regeln der Konsensfindung werden demnach von allen Nodes als gültig betrachtet.

Bei einem Hard Fork ist die neue Konsensfindung nicht mehr mit der ursprünglichen vereinbar.

So führt beispielsweise eine Veränderung der Blocksize dazu, dass die neue Version keine Verbindung mit der alten Software eingehen kann. Hard Forks sind somit ausschließlich vorwärtskompatibel.[4] Die Blockchain wird am Punkt der Veränderung gespalten und zwei Chains desselben Ursprungs entstehen.

Diagramm Hard Fork einer Blockchain

Abbildung 2: Hard Fork der Blockchain A am Block x+3

Ursachen. Die Ursachen eines Forks sind vielseitig und lassen sich nicht auf einzelne Tatbestände minimieren. Neben neutralen Beweggründen wie Fehlerbehebungen oder Funktionserweiterungen sind es jedoch oftmals Meinungsdifferenzen in der Community, die zu einer Aufspaltung führen. Die Aktivierung des Forks kann hierbei von den Nutzern (Full-Nodes) oder den Minern ausgehen.

Umsetzung. Wie sich zeigt, können Forks verschiedene Ursachen haben und auch in der Umsetzung gibt es Unterschiede. Eine Aktivierung kann durch Miner oder User ausgelöst werden.[5] Es ergeben sich vier mögliche Konstellationen:

  • Miner activated Soft Fork (MASF)
  • Miner activated Hard Fork (MAHF)
  • User activated Soft Fork (UASF)
  • User activated Hard Fork (UAHF)

Als User gelten sog. vollwertige Knotenpunkte (Full-Nodes), die mindestens eine Verifizierungsfunktion besitzen. Full-Nodes verifizieren Transaktionen und leiten diese zur Überprüfung an verbundene Knotenpunkte weiter. Durch Full-Nodes wird somit die Sicherheit und Legitimität von Transaktionen gewährleistet. Sie unterscheiden sich von Full-Nodes mit Mining-Funktion (Miner), welche an der Findung und Erstellung neuer Blöcke partizipieren und hierfür eine Entschädigung durch den Block-Reward sowie die Transaktionsgebühren erhalten.

Bei einem Miner activated Fork wird die Softwareveränderung von den Minern initiiert. Meist wird ein bestimmter Grenzwert an Zustimmung zwischen den Minern in das Update gecodet. Anschließend wird über das Update abgestimmt, welches zur Anwendung kommt, wenn der Grenzwert in einem bestimmten Zeitfenster erreicht wird. Die Umsetzung resultiert dadurch, dass Blöcke generiert werden, welche dem neuen Softwarestand entsprechen. Falls diese Regeln nur vorwärtskompatibel sind, spricht man von einem Hard Fork.

User activated Forks bezeichnen Forks, die von Full-Nodes des Netzwerks veranlasst werden. So besteht für User die Möglichkeit, die Entscheidungsmacht der Miner zu umgehen und Updates in das Netzwerk einzuspielen. Beispielsweise wurde UASF BIP 148 wegen mangelnder Unterstützung der Miner am Projekt Segwit genutzt.[6] BIP 148 unterstützende Full-Nodes ignorierten die Verbindung zu allen Nodes, die keine Signalisierung einer Segwit-Aktivierung gaben.

Allerdings benötigen User activated Forks für eine erfolgreiche Umsetzung insbesondere die Unterstützung der Exchanges und Walletanbieter, da diese wichtige Knotenpunkte im System darstellen.

Technische Auswirkungen. Die meisten Fälle von Forks sind der Konsensfindung geschuldet. Falls mehr als ein Miner bei der Blockfindung erfolgreich war, resultieren hieraus für eine kurze Zeit verschiedene Ketten. Beide Miner beanspruchen den gefunden Block für sich. Diese Diskrepanz wird meist bei der nächsten Blockfindung aufgelöst, da das Netzwerkprotokoll vorsieht, dass nur die längste Kette fortgeführt wird.[7]

Falls durch Forks neue Coins entstehen, entscheidet sich deren Bedeutung als Kryptoasset durch die Unterstützung der Community. Falls sich nur wenige Miner und User für neue Projekte entscheiden, ist die Legitimität, Verifizierung sowie die Sicherheit des Netzwerkes nicht gewährleistet. Durch eine Etablierung in der Krypto-Community und der Listung auf große Tauschbörsen können spieltheoretische Ansätze verfolgt werden. Im Falle größerer Ertragschancen auf der neuen Kette wird sich aus markttheoretischer Sicht die Rechenleistung so verteilen, dass langfristig ein Gleichgewicht hergestellt wird.

Beispiele. Im Rahmen der Skalierungsdebatte kam es am 01.08.2017 zu einem Hard Fork der Bitcoin-Blockchain, was zum Entstehen von Bitcoin-Cash (BCH) führte. Die unverhältnismäßig hohen Transaktionsgebühren, bedingt durch die inzwischen zu kleine Blockgröße von 1 MB, waren für Teile der Bitcoin-Community ein ausschlaggebender Grund das System des Bitcoins zu reformieren. Das Bitcoin-Cash “Update” sah demnach eine neue Blockgröße in Höhe von 8 MB vor, um mehr Transaktionen verarbeiten zu können.[8]

Der bisher bekannteste Soft Fork der Bitcoin Geschichte stellt die Implementierung von Segwit dar. Durch eine Komprimierung und strukturtechnische Veränderung der Blöcke sollten durch die Segwit-Aktivierungen die Transaktionskosten sowie die Transaktionsgeschwindigkeit verbessert werden. Bedingt durch die voluntaristische Ausgestaltung als Soft Fork, konnte durch die Aktivierung allerdings keine signifikante Verbesserung erreicht werden, da zu wenige Nodes das Update durchführten.[9] Ein konsekutiver Hard Fork durch Segwit2x, welcher eine zusätzliche Blockvergrößerung auf 2MB plante, wurde kurzfristig wegen mangelnder Unterstützung abgesagt.[10]

Bei Ethereum wurde im Jahre 2016 ein Bug im Smart Contract Code des Projekts „The DAO“ gefunden und durch Hacker ausgenutzt. Hierdurch gelang es den Hackern 3,6 Millionen Ether in eine sog. “child DAO” zu verschieben, welche sich in ihrem alleinigen Besitz befand.[11] Das Core Entwicklerteam der Ethereum Blockchain schlug daraufhin vor, im Rahmen eines Hard Forks die Auswirkungen des Hacks rückgängig zu machen. Teile der Community stellten sich gegen dieses Vorhaben und argumentierten, dass ein solcher Hard Fork nicht mit den Kernwerten von Ethereum vereinbar sei. Es handele sich auch nicht um einen Hack im eigentlichen Sinne, da die Angreifer lediglich eine Funktion im Code nutzten, unabhängig davon, ob dies im Interesse der Entwickler ist. Somit kam es zur Spaltung der Ethereum Blockchain in Ethereum und Ethereum Classic, wobei die Community der geforkten Chain – wohl bedingt durch die Unterstützung des Kernentwicklerteams – begrifflich unscharf den ursprünglichen Namen “Ethereum” für sich beanspruchte. In diesem Fall wurde also keine Funktion implementiert, sondern aktiv die Transaktionshistorie[12] verändert.

Wirtschaftliche Implikationen

Da ein Soft Fork nicht zu einer Veränderung der Anzahl oder Qualität von Blockchain-basierten Assets führt, kann es höchstens zu indirekten wirtschaftlichen Implikationen kommen. Anders verhält es sich bei Hard Forks, nach welchen Tokenholder der aufspaltenden Blockchain Vermögenswerte in gleicher Anzahl auf beiden Blockchains besitzen. Beobachtet man die Preisentwicklung von Bitcoins über die letzten Monate, ist ein klarer Aufwärtstrend zu verzeichnen. Fraglich ist, inwiefern Hard Forks Auswirkungen auf die Preisentwicklung haben.

Zunächst sollte hinterfragt werden, welche Eigenschaften dazu führen, dass der Markt einem Blockchain-basierten Token einen Wert beimisst. Da viele Projekte im Entstehungszeitpunkt, sei es im Rahmen eines ICOs, Hard Forks oder Aidrops, kein funktionierendes Produkt aufweisen, sind sie mit Start-Up Unternehmen zu vergleichen.[13] Die Bewertung eines Tokens basiert somit nicht vorrangig auf der Ertragskraft einer bereits erwerbbaren Leistung (Ertragswert) oder dem Marktwert eines zugrundeliegenden reellen Vermögenswertes (Substanzwert). Sie ist vielmehr vom subjektiven Erfolgspotential, das dem Projekt beigemessen wird, abhängig. Dieses Erfolgspotential wird grundsätzlich vom Geschäftsmodell bzw. der Vision des Projekts und der Qualität und Anzahl der Ressourcen, welche für die Umsetzung zur Verfügung stehen, determiniert. In einem vereinfachten Modell könnte man den Marktwert eines Blockchain Projekts folgend beschreiben:

Formel für den Marktwert eines Blockchain-Projekts

mit x als Marktwert, V als Vision und R als Ressourcen des Projekts.

Der Störterm (S) der Gleichung dürfte hauptsächlich spekulativer Natur sein. Die Vision stellt hierbei die potentielle Marktgröße multipliziert mit dem durch die Marktteilnehmer erwarteten Marktanteil dar. Ob das Marktpotential erreicht wird, hängt maßgeblich von den Projektressourcen ab. Hierzu zählen insb. die Qualität (Bildungsstand, Berufserfahrung, Referenzen, Mining-Equipment, etc.) und die Quantität (Zeitstunden, die für das Projekt aufgebracht werden, Hashrate, etc.) des Kernteams, aber auch der Community. Ebenso mitentscheidend ist die Ausstattung mit finanziellen Ressourcen. Unweigerlich wird der Projektwert kurzfristig auch von irrationalen Spekulationsgedanken und der Marktvolatilität getrieben.

Folgt man dieser Logik, dürfte ein Hard Fork unweigerlich zu einer Verringerung von R führen, denn die von den Community- und Teammitgliedern aufgebrachte Zeit sowie ein Teil des Mining-Equipments teilen sich nun auf zwei Projekte auf. Ähnlich wie bei einem Spin-Off dürfte V zunächst auch abnehmen, weil ein Teil des Know-hows das Projekt verlässt, unabhängig davon, dass langfristig die Spaltung sehr wohl zu einem gesteigerten V in beiden Projekten führen kann, da diese nun unabhängig operieren können.

Folglich dürfte es apriorisch zu keiner kurzfristigen Steigerung des Gesamtwerts der Ursprungs- und Forkchain durch einen Hard Fork kommen.

Rückblickend ist in der zweiten Jahreshälfte des vergangenen Jahres 2017 eine Stagnation vieler Altcoins, wie auch beispielsweise Ethereum, zu beobachten. Während der in der ersten Jahreshälfte noch sehr zurückhaltend agierende Bitcoin sich zwischen Juli und November 2017 fast verdreifachte. Zum Vergleich, Ethereum konnte im identischen Zeitraum lediglich um 10 % zulegen. Der Ursprung der hohen Kapitalzuflüsse in den Bitcoin wird vielerorts mit den diversen angekündigten Hard Forks der Bitcoin Blockchain in Verbindung gebracht. Um diesen Eindruck mit Fakten zu hinterlegen, wurden die nachfolgenden Analysen zu den wirtschaftlichen Auswirkungen vergangener Hard Forks durchgeführt.

Die Untersuchungen befassen sich vorwiegend mit den beiden bisher größten Bitcoin Hard Forks, Bitcoin Cash und Bitcoin Gold. Um eine quantifizierbare Aussage über die wirtschaftlichen Chancen eines Hard Forks treffen zu können, wird einleitend die Entwicklung der Kurse im Vorfeld eines Hard Forks betrachtet. Als Untersuchungszeitraum wird ein Pre-Fork Zeitraum von 30 Tagen gewählt.

Der year-to-date Kursverlauf des Bitcoins lässt hierbei bei einer rein optischen Betrachtung keine Rückschlüsse auf eine besondere wirtschaftliche Chance im Vorfeld der beiden Forks zu.

Kursverlauf Bitcoin und Bitcoin Forks Year To DateAbbildung 3: Year-to-date Kursverlauf Bitcoin und Bitcoin Forks

Um ein klareres Bild von etwaigen überdurchschnittlichen Entwicklungen in den Pre-Fork Zeiträumen gewinnen zu können, werden zusätzlich die täglichen stetigen Renditen des Bitcoins ausgewertet.

Renditen von Bitcoin Forks um den AufspaltungstagAbbildung 4: Untersuchung der stetigen Renditen um den Aufspaltungstag

Hierbei lässt sich zwar erkennen, dass der positivste Tag in der year-to-date Betrachtung in unmittelbarer Nähe zum Bitcoin Cash Hard Fork stattfand (+ 22,8 %), eine optisch eindeutige Signifikanz für eine bessere Wertentwicklung kann jedoch auch mit dieser Darstellung nicht zweifelsfrei festgestellt werden. Zu groß ist hierfür die tägliche Volatilität, was sich auch in dem Faktum wiederspiegelt, dass neben dem positivsten Tag auch die 5. negativste Wertentwicklung des Betrachtungszeitraums im 30-Tage Horizont vor dem Bitcoin Cash Hard Fork zu finden ist.

Verteilung von Bitcoin Fork Renditen

Abbildung 5: Streuung der Untersuchungsergebnisse aus Abbildung 4

Das diese Darstellung durchaus zu Täuschen vermag, zeigt ein Blick auf die Verteilung der täglichen stetigen Renditen. Fallen im Pre-Fork Zeitraum des Bitcoin Cash besonders die zwei extrem positiven Ausreißer der täglichen Renditen ins Auge, die bei einer isolierten Betrachtung durchaus die Schlussfolgerungen zulassen, dass die Entwicklung vor dem Bitcoin Cash Hard Fork charakteristisch überdurchschnittlich positiv für den Anleger verlaufen ist. Die Verteilung der stetigen Renditen zeigt jedoch, dass auch die täglichen Renditen im Vorfeld des Bitcoin Cash Hard Forks konzentriert und annähernd gleichverteilt im + 5 %/- 5 % Segment liegen. Lediglich beim Bitcoin Gold Hard Fork kann eine Verschiebung der Punkteschar nach oben identifiziert werden. Diese Erkenntnis deckt sich mit dem eingangs betrachteten Kursverlauf, der einen stark ansteigenden Bitcoin ohne größere Rücksetzer im 30-Tage Zeitraum vor dem Bitcoin Gold Hard Fork zeigt.

Um diese Auffälligkeit statistisch zu bestätigen wurde eine lineare Regressionsanalyse hinsichtlich der Abhängigkeit der täglichen stetigen Renditen des Bitcoins von einem etwaigen bevorstehenden Hard Fork durchgeführt. Das Ergebnis hieraus zeigt jedoch weder eine hohe Erklärkraft noch eine statistische Signifikanz. Die Hypothese, dass in einem 30-Tage Zeitraum vor den beiden größten Hard Forks der Bitcoin Blockchain überdurchschnittliche Wertsteigerungen und somit besondere wirtschaftliche Chancen vorlagen, kann dementsprechend statistisch nicht bestätigt werden.

Neben dem Zeitfenster vor dem Hard Fork ist allerdings auch die Wertentwicklung am Hard Fork Tag selbst für den Anleger höchst interessant.

Nach dem dargelegten ökonomischen Modell dürfte eine Abspaltung zu einer Aufteilung der Werte aus Vision (V) und Ressourcen (R) führen und somit ergebnisneutral für die Anleger verlaufen.

Der aus dem herkömmlich Finanzsektor bestens bekannte Spin-Off Vorgang stellt hierbei wie bereits aufgezeigt einen vergleichbaren Vorgang dar. Auch die Abspaltung eines Unternehmensteils sollte unter der Annahme eines vollkommenen Marktes absolut ergebnisneutral sein. Denn wenn alle Marktteilnehmer, d.h. alle Käufer und Verkäufer, ausschließlich nach ökonomischen Grundsätzen handeln, kann durch eine Ausgliederung in der Sekunde der Spaltung keine Wertsteigerung generiert werden. Da auch die Börse keinen vollkommenen Markt darstellt, und die Zeitspanne zwischen dem letzten Schlusskurs der vollständigen Firma und den Eröffnungskursen des zurückbleibenden Unternehmens und der ausgegründeten Geschäftseinheit Raum für Spekulationen und externe Kurseinflüsse zulässt, verläuft diese zwar annähernd aber nicht vollständig ergebnisneutral. Beispielhaft hierfür ist der Ebay/PayPal Spin-Off aus dem Jahr 2015 dargestellt.

Grafik der Kursauswirkung des Paypal Spin-Offs

Abbildung 6: Kursauswirkung des Paypal Spin-Offs

Vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass die Wertentwicklungen der Hard Fork Assets sich ähnlich ausgestaltet. Angesichts der 24-Stunden Handelbarkeit von Kryptowährungen könnten sich die Kurse bei einem Hard Fork sogar noch exakter an die neuen Gegebenheiten anpassen als im Aktienbereich. Die Realität liegt von dieser Idealisierung jedoch weit entfernt.

Kursauswirkungen von Hard Forks bei Bitcoin und Ethereum

Abbildung 7: Kursauswirkungen ausgewählter Hard Forks

Drei der vier analysierten Hard Forks bescherten den Anlegern bereits mit dem ersten Kurs des abgespaltenen Assets eine zweistellige Wertsteigerung. Die Vermutung liegt nahe, dass der Prozess der Wertanpassung spätestens mit der Erschaffung dieser Überrendite angestoßen wird und der Wert der Ursprungs- und Forkchain zum Ende des ersten Handelstages in etwa wieder dem Schlusswert des ursprünglichen Assets entsprechen würde. Aber auch eine etappenmäßige Kursanpassung, und somit eine schrittweise Umsetzung des ökonomischen Modells konnte nicht beobachtet werden.

Auch die Schlusskurse zeigten im Vergleich zum Vortag immer noch in drei von vier Fällen zweistellige Renditen.

Die Hauptursache hierfür dürfte in der Bedeutsamkeit der einzelnen Werttreiber liegen. Gerade bei speziellen Ereignissen muss der spekulative Einfluss auf die Preise als enorm angenommen werden, womit schlussendlich die Spaltung der Faktoren V und R gegenüber der Spekulation auf einen neuen Coin mit einem großen Hype deutlich überlagert wird.

Steuerliche Implikationen

‘‘Free Stuff“ – Ertrag oder Schenkung. Fraglich ist, ob die Entstehung neuer Coins durch einen Hard Fork einen erbschaft- bzw. schenkungsteuerrechtlich relevanten Vorgang darstellt. Als Schenkung qualifizieren die in der nicht abschließenden Aufzählung des § 7 Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetz (ErbStG) genannten Tatbestände.[14] Bei näherer Betrachtung kommt für den kostenlosen Bezug von Kryptowährungen durch Hard Forks lediglich § 7 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG in Frage. Dieser regelt die Schenkung unter Lebenden resp. freigebige Zuwendungen eines Schenkers an einen Beschenkten. Um den objektiven Tatbestand zu erfüllen, muss beim Zuwendungsempfänger durch die Schenkung eine Vermehrung seines Vermögens erfolgen.[15] Durch den möglichen Zugriff auf neu entstandene digitale Assets könnte dies erfüllt sein. Die Mehrung des Vermögens muss jedoch mit einer korrespondierenden Vermögensminderung des Zuwendenden einhergehen. Da ein dezentrales Netzwerk keinen Zuwendenden bzw. Schenker im Sinne des ErbStG darstellen kann, ist die Prüfung einer konkreten Vermögensminderung obsolet. Somit sollte eine Erfassung von Hard Forks durch § 7 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG ausgeschlossen sein.

Ertragssphäre. Wie die vorstehenden Ausführungen zeigen, sollte es durch Forks nicht zur Eröffnung des Anwendungsbereichs des ErbStG kommen. Folglich stellt sich die Frage, ob der Zufluss von neu entstandenen Coins ertragsteuerpflichtig ist.

Für eine Erfassung als Kapitalertrag im Sinne des § 20 Einkommensteuergesetz (EStG), müsste man bereits das Ursprungsasset als Kapitalvermögen klassifizieren.

Da nach h.M. Blockchain-basierte Assets allerdings ausschließlich als private Wirtschaftsgüter im Sinne des § 23 EStG einzuordnen sind, scheidet eine Besteuerung als Kapitalertrag aus.[16]

Ferner könnte eine Besteuerung als Einkünfte aus sonstigen Leistungen gemäß dem Auffangtatbestand des § 22 Nr. 3 EStG in Frage kommen. Das Handlungserfordernis dürfte jedoch allenfalls bei Full-Nodes erfüllt sein, welche durch ihre Abstimmung den Spaltungsprozess aktiv beeinflussen können.[17] Die aktive Duldung des Vorgangs dürfte regelmäßig nicht als Handlung ausreichen, da sie keine Auswirkung auf das Vorhaben entfalten kann.

Hilfsweise kann als Analogie auf Kapitalmaßnahmen von Kapitalgesellschaften zurückgegriffen werden. Beispielsweise stellen ein Aktiensplit oder Spin-Off wirtschaftlich vergleichbare Vorgänge dar, die eine Entstehung neuer Anteile zur Folge haben. Erfüllen diese bestimmte steuer- und gesellschaftsrechtliche Vorgaben, stellt die Maßnahme einen steuerneutralen Vorgang dar, d.h. es findet keine Ertragsbesteuerung statt, sondern die ursprünglichen Anschaffungsdaten (Einstandswert und -datum) werden auf die neuen Stücke übertragen bzw. aufgeteilt (sog. Fußstapfentheorie).[18] Dabei soll der Rückgriff auf das Gesellschafts- bzw. Umwandlungsrecht hauptsächlich sicherstellen, dass durch den Vorgang keine stillen Reserven aufgedeckt und das deutsche Besteuerungsrecht an einer späteren Veräußerung erhalten bleibt. Entspricht der Vorgang nicht diesen Erfordernissen bzw. stellen die neuen Stücke eine Sachausschüttung von Gewinnrücklagen dar, wird der gemeine Wert resp. der Marktwert als Kapitalertrag erfasst.

Da Blockchain-basierte Assets in der Regel keine Anteile an Körperschaften mit handelsrechtlicher Bilanzierung darstellen, besteht regelmäßig keine Gefahr, dass im Rahmen eines Hard Forks unversteuerte Gewinnrücklagen durch bilanzielle Umstrukturierungen an die Tokenholder ausgekehrt werden. Eine Beschränkung des deutschen Besteuerungsrechts an zukünftigen Veräußerungsgewinnen ist durch die dezentrale Netzwerkstruktur ebenfalls undenkbar. Eine andere Auffassung ließe sich allenfalls unter Anfechtung der h.M. zur steuerlichen Grundeigenschaft virtueller Token als private Wirtschaftsgüter vertreten. Folglich sollte, solange Blockchain-basierten Assets keine individuelle steuerliche Klassifizierung als Unternehmensanteil ähnliches Konstrukt zugesprochen werden kann, ein Hard Fork regelmäßig zu keinem laufenden Ertrag führen.

Vermögenssphäre. Im Rahmen der Vermögenssphäre stellt sich die Frage, ob Hard Forks (i) als anteilige Veräußerung des Ursprungsassets oder (ii) steuerneutrale Aufspaltungsvorgänge anzusehen sind. Auch hier bietet sich eine Analogie zu einem Aktiensplit an, bei welchem die Erhöhung der Anzahl bestehender Aktien eines Unternehmens mit einer Verringerung des Nominalwertes einhergeht und damit eine steuerneutrale Wertaufteilung darstellt. Dies ist zwar technisch nicht mit einem Hard Fork vergleichbar, Parallelen in der steuerlichen Behandlung sind jedoch durchaus aus wirtschaftlichen Erwägungen denkbar. Die o.g. wirtschaftlichen Untersuchungen ergeben, dass sich durch einen Hard Fork zwar langfristig ein gesteigertes Erfolgspotential ergeben kann, der Hard Fork an sich aber apriorisch erfolgsneutral verlaufen muss, da das Ursprungsprojekt genau um den Teil an Ressourcen gemindert wird, die dem neuen Projekt zur Verfügung stehen. Außerdem ist der zusätzliche langfristige Erfolg der durch einen Hard Fork entstehen kann bereits im Erfolgspotential des ursprünglichen Assets – wie bei einem steuerneutralen Aktiensplit oder Spin-Off – enthalten. Es handelt sich demnach lediglich um die Verwirklichung einer erfolgversprechenden Funktionalität des Ursprungsprojekts.

Folglich sollten Hard Forks keinen Veräußerungstatbestand verwirklichen und die sog. Fußstapfentheorie zu Anwendung kommen.

Die Anschaffungskosten sowie das -datum der neuen Coins ergeben sich demnach aus den Anschaffungsdaten des Ursprungsassets.

Der Anschaffungszeitpunkt wird vom ursprünglichen Investment übertragen, was insbesondere in Bezug auf die einjährige Spekulationsfrist von Bedeutung ist.

Fraglich bleibt, wie die Anschaffungskosten aufzuteilen sind. Das Bundesfinanzministerium (BMF) verweist in Fällen eines steuerneutralen Aktiensplits oder Spin-Offs auf eine Aufteilung der Anschaffungskosten nach dem Umtauschverhältnis.[19] Dieses entspricht bei Hard Forks in der Regel einem 1:1 Verhältnis. Aufgrund der Vielzahl von Forks (vgl. Abbildung 1) scheint diese vereinfachte Herleitung der Anschaffungskosten für Blockchain-basierte Assets nicht praktikabel. Alternativ würde eine Aufteilung nach dem gemeinen Wert (vgl. § 9 BewG) resp. dem Marktwert der Vermögenswerte zu einem genaueren Resultat führen. Zum einen spiegeln die Marktwerte die ökonomisch sinnvollste Verteilungsbasis wider und zum anderen würde die vorstehende Problematik der vielen Aufteilungsvorgänge entfallen, da die Mehrzahl aller Forks keinen wirtschaftlichen Gehalt abbildet und damit de facto keinen Marktwert besitzt. Dieses Vorgehen wird nach unserer Praxiserfahrung auch von der Finanzverwaltung gelebt.

Eine Folgefrage ergibt sich aus § 23 Abs. 1 Nr. 2 S. 4 EStG. Grundsätzlich sind private Wirtschaftsgüter, die im Rahmen des § 23 EStG veräußert werden nur steuerpflichtig, wenn der Zeitraum zwischen Anschaffung und Veräußerung weniger als einem Jahr entspricht. Ausgenommen von dieser Regel sind Wirtschaftsgüter, durch deren Nutzung Einkünfte erzielt wurden. In diesem Fall erhöht sich die Haltefrist gemäß § 23 Abs. 1 Nr. 2 S. 4 EStG auf 10 Jahre. Demnach ist fraglich, ob Hard Forks Einkünfte im Sinne dieser Norm darstellen resp. zu einer Verlängerung der Spekulationsfrist führen können.

Wichtig ist hierbei, die historische Intention des Gesetzgebers zu beachten.

§ 23 Abs. 1 Nr. 2 S. 4 EStG wurde 2008 im Rahmen des Unternehmensteuerreformgesetzes beschlossen. Hintergrund der Neuregelung war die Vermeidung von Steuersparmodellen. Konkret bezog sich die Steuerreform auf Containerleasingmodelle.[20] Dabei wurden bewegliche Wirtschaftsgüter an private Investoren verkauft und zugleich ein vertraglich abgesicherter Rückkaufwert angeboten. Investoren schlossen mit dem Verkäufer Verwaltungsverträge ab und erzielten so Einkünfte durch Mieteinnahmen gemäß § 22 Nr. 3 EStG.[21] Eine Steuerfreiheit durch den Verkauf des Wirtschaftsgutes erlangte der Steuerpflichtige jedoch schon nach einem Jahr.

Die grammatikalische und teleologische Normenauslegung, bekräftigt durch den Gesetzesentwurf zeigen klar, dass ein Bezug von neu geschaffenen Coins im Rahmen eines Hard Forks keine Einkünfte im Sinne des § 23 Abs. 1 Nr. 2 S. 4 EStG darstellen.[22] Folglich sollte es zu keiner Verlängerung der Haltefrist kommen, da weder eine Forderung noch eine Handlung zu einer Einnahme geführt haben und sich keine Ausgestaltung als Steuersparmodell erkennen lässt.

Fragliche Steuerbarkeit. Allgemein ist Steuerbarkeit von Hard Forks noch nicht abschließend geklärt. So wird teilweise die Auffassung vertreten, dass die durch einen Fork zugeflossenen Vermögenswerte nicht der steuerbaren Sphäre zuzuordnen sind resp. einen Windfall in der privaten Vermögenssphäre darstellen. Neu erhaltene Wirtschaftsgüter im Sinne von Aktien-Splits, Spin-Offs sowie Wandelschuldverschreibungen, welche bisher für steuerliche Analogien herangezogen wurden, waren im ursprünglichen Wirtschaftsgut schon enthalten, was bei neu entstandenen Coins durch Forks angezweifelt werden könnte. Der kostenlose Bezug würde somit nicht in den Anwendungsbereich des § 23 EStG fallen, da Wirtschaftsgüter eines privaten Veräußerungsgeschäftes zuvor entgeltlich erworben werden müssen. Private Veräußerungsgeschäfte bedingen neben einem Veräußerungs- einen Anschaffungsvorgang, welcher durch einen reinen Zufluss nicht verwirklicht wird.[23]

Handlungsempfehlungen

Risiken. Im Falle eines Forks sind Transaktionen sowohl auf der Ursprungschain als auch auf der abgespaltenen Chain gültig. Replay Angriffe können diesen Umstand ausnutzen, indem eine Transaktion auf einer Blockchain ausgeführt und bei Zugriff bzw. Diebstahl des private Keys vom Angreifer in betrügerischer Absicht – z.B. um Bitcoins zu stehlen – auf der anderen Blockchain wiederholt wird. Ein weiteres Risiko birgt die Verwahrung von Coins auf Börsen, da in diesem Fall keine Kontrolle über den private key besteht und der Erhalt der neuen Coins vom Wohlwollen des Börsenbetreibers abhängig ist. Dies führt u.a. auch dazu, dass Kryptobörsen zeitweise über große Bestände an geforkten Coins verfügen. Sollte sich ein großer Player dazu entscheiden, diese auf den Markt zu werfen, könnte ein enormer Preissturz die Folge sein.

Security Protection. Zunächst ist jedem User zu empfehlen, vor einem Hard Fork uneingeschränkt über seinen private key zu verfügen.

Um vor Replay Attacken zu schützen, werden oftmals Security Protection Maßnahmen implementiert, die sichern, dass Transaktionen nur auf einer Blockchain ausgeführt werden.

Beim Hard Fork der BTC-Blockchain wurde beispielsweise die Signatur der geforkten BCH-Chain abgeändert. Letztendlich führt die Replay Protection damit zur fast vollständigen Trennung der Ursprungschain von der abgespaltenen Chain, sodass nach einem Hard Fork keine ungewollten Transaktionen wiederholt werden können.

Steuerliche Überlegungen. Wie sich aus den vorstehenden Untersuchungen ergibt, stellen Hard Forks ein weiteres Spezifikum der neuartigen Blockchain-Technologie dar, das mit einer Vielzahl an steuerlichen Fragestellungen einhergeht. Unsere Erfahrungen zeigen, dass die für Investoren vorteilhafte Anologie zu steuerneutralen Abspaltungsvorgängen bzw. Aktiensplits auch von der Finanzverwaltung geteilt wird. Dies hat insbesondere für frühe Investoren den Vorteil, dass es zur Übernahme des ursprünglichen Anschaffungsdatums kommt und damit die Haltedauer sowie ein ggf. bestehender Bestandschutz auch auf die neuen Assets übergeht. Dass der Zufluss von Vermögenswerten im Rahmen eines Hard Forks als Einkünfte im Sinne des § 23 Abs. 1 Nr. 2 S. 4 EStG qualifiziert und damit zu einer Verlängerung der Spekulationsfrist sorgt, sollte unter Berücksichtigung der gesetzgeberischen Intention der Norm klar von der Hand gewiesen werden. Letztlich ist in Hinblick auf die offene Rechtslage jedem Investor zu empfehlen, eine für ihn komfortable Rechtsauffassung zu vertreten, solange diese mit werthaltigen Argumenten untermauert werden kann.

Jedoch ist eine Offenlegung des vollständigen Sachverhalts gegenüber den Finanzbehörden unerlässlich, da Untätigkeit schlimmstenfalls zu steuerstrafrechtlichen Konsequenzen führen kann.

Für die notwendige Dokumentation und Datenaufbereitung ist das Onlineangebot von CryptoTax zu empfehlen.

Klaus Himmer ist Geschäftsführer und Mitgründer der 21 Consulting GmbH (www.cryptotax.io) sowie Senior Associate im Financial Services Tax bei einer großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in München (klaus.himmer@21consult.de).

Magnus Berchtold ist Mitgründer der 21 Consulting GmbH (www.cryptotax.io) sowie Senior Associate im Financial Services Tax bei einer großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in München (magnus.berchtold@21consult.de).

Jan Messmer ist Student der informationsorientierten Betriebswirtschaftslehre an der Universität Augsburg und beschäftigt sich seit längerer Zeit mit der ertragsteuerlichen Behandlung von Kryptoassets (jan.messmer96@gmail.com).

Prof. Dr. Philipp Sandner ist Leiter des Frankfurt School Blockchain Center. Seine Twitter-Kennung lautet @philippsandner — er ist per E-Mail zu erreichen (email@philipp-sandner.de) und per LinkedIn (https://www.linkedin.com/in/philippsandner/).

Die enthaltenen Informationen in diesen Artikel dienen allgemeinen Informationszwecken und beziehen sich nicht auf die spezielle Situation einer Einzelperson oder einer juristischen Person. Sie stellen keine betriebswirtschaftliche, rechtliche oder steuerliche Beratung dar. Im konkreten Einzelfall kann der vorliegende Inhalt keine individuelle Beratung durch fachkundige Personen ersetzen.

[1] Sixt, Elfriede, Bitcoins und andere dezentrale Transaktionssysteme, 2017, S. 30.

[2] Duffield, Evan und Diaz Daniel, Dash: A Privacy-Centric Crypto-Currency, 2018, abrufbar unter: https://github.com/dashpay/dash/wiki/Whitepaper (abgerufen am 24.01.2018).

[3] Schär, Fabian und Berentsen Aleksander, Bitcoin, Blockchain und Kryptoassets, 2017, S. 74.

[4] Ebenda, S. 76.

[5] O. V., UASF Working Group BIP148 & UASF FAQ, 2017, abrufbar unter: http://www.uasf.co (abgerufen am 24.01.2018).

[6] Tar, Andrew, UASF vs. UAHF Explained, 2017, abrufbar unter: https://cointelegraph.com/explained/uasf-vs-uahf-explained (abgerufen am 24.01.2018).

[7] Am Beispiel von Bitcoin, vgl. Nakamoto, Satoshi, Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System, 2008, abrufbar unter: https://bitcoin.org/bitcoin.pdf (abgerufen am 25.01.2018).

[8] O. V., BitcoinCash – Eine elektronische Peer-to-Peer Währung, 2018, abrufbar unter: https://www.bitcoincash.org (abgerufen am 24.01.2018).

[9] Nur ca. 12% aller Transaktionen sind Segwit-Transaktionen, vgl. O.V., SegWit Charts, abrufbar unter: http://segwit.party/charts (abgerufen am 24.01.2018).

[10] O. V. Kryptowährungen – Mehr als Gezocke, in: Börse Online, Heft 49, 2017, S. 12 – 19, S. 14.

[11] Siegel, David, Understanding The DAO Attack, 2016, abrufbar unter: https://www.coindesk.com/understanding-dao-hack-journalists (abgerufen am 24.01.2018).

[12] Kannenberg, Axel, Nach dem DAO-Hack: Ethereum glückt der harte Fork, 2016, abrufbar unter: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Nach-dem-DAO-Hack-Ethereum-glueckt-der-harte-Fork-3273618.html (abgerufen am 24.01.2018); Buterin, Vitalik, Announcement – Hard Fork Completed, 2016, abrufbar unter: https://blog.ethereum.org/2016/07/20/hard-fork-completed (abgerufen am 24.01.2018).

[13] Hohensee, Matthias und Kirsch, Sebastian, Kryptobörsengänge Kapital aus dem Nichts, in: WirtschaftsWoche. 2017, 41, S. 80.

[14] Geck in: Kapp, Reinhard/Ebeling, Jürgen/Geck, Reinhard (Hrsg.), Kapp/Ebeling (ErbStG), 70. Lieferung 2016, § 7, Rn. 2.

[15] Götz in: Meßbacher-Hönsch, Christine/Götz, Hellmut (Hrsg.), ErbStG – eKommentar (ErbStG), 2015, § 7, Rn. 6.

[16] Himmer, Klaus, Besteuerung von digitalen Assets wie Kryptowährungen und Tokens, 2017, abrufbar unter: https://medium.com/@fsblockchain/besteuerung-von-digitalen-as-sets-wie-kryptowährungen-und-tokens-c050a06b3e6b (abgerufen am 23.12.2017).

[17] BFH, Urteil vom 21.09.2004, IX R 13/02, in: BStBl II 2005, S. 44.

[18] BMF-Schreiben v. 18.01.2017, IV C 1 – S 2252/08/10004 :017, Rn.   115 i.V.m. § 123 UmwG und § 20 Abs. 4a S. 1 EStG.

[19] BMF-Schreiben v. 18.01.2017, IV C 1 – S 2252/08/10004 :017, Rn. 101.

[20] BT-Drs. 16/4841, S. 58 f.

[21] LFST BAYERN, Schreiben vom 15.05.2012, S 2257.1.1–2/3 St32, FG Baden-Württemberg, Urteil vom 23.11.2009, 10 K 206/07, in: EFG 2010, S. 486.

[22] BT-Drs. 16/4841, S. 59; FG Baden-Württemberg, Urteil vom 23.11.2009, 10 K 206/07, in: openJur 2012, 62370, Rn. 79.

[23] BFH, Urteil vom 22.09.1987, IX R 15/84, in: BStBl II 1988, S. 250; BMF-Schreiben vom 25.10.2004, BStBl. I, S. 1034, Rz. 42.

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Besteuerung von digitalen Assets wie Kryptowährungen und Tokens

Besteuerung von digitalen Assets wie Kryptowährungen und Tokens

Um Kryptowährungen und andere digitale Tokens entsteht momentan ein weltweiter Hype der den Investoren konkurrenzlose Renditen beschert. Fraglich ist, ob diese einer Besteuerung in Deutschland unterliegen und mit welchen steuerlichen Implikationen zu rechnen ist.

Betrachtet man die Kursentwicklung der meisten Blockchain-basierten Tokens über die letzten zwei Jahre, gibt es wohl keine lukrativere Kapitalanlagemöglichkeit. Die wohl bekannteste Kryptowährung Bitcoin erreicht regelmäßig neue Allzeithochs, was vereinfacht gesagt nichts Anderes bedeutet, als dass sich zu diesen Zeitpunkten der Wert jeder Bitcoin Position über den Anschaffungskosten und damit im Gewinnbereich befindet. Der gewaltige Kursanstieg der letzten Monate geht wohl zum größten Teil auf das exponentiell gewachsene Interesse an der den digitalen Tokens zu Grunde liegenden Technologie — der Blockchain — zurück. So kann der durchschnittliche Bitcoin Investor inzwischen einen einstündigen Vortrag über Segwit (BIP 141), UASF (BIP 148) und Segwit 2x im Freundeskreis halten, aber weiterhin gibt es Themenbereiche die noch sehr unklar sind und somit viel Potential für Spekulationen bieten. Eines dieser Themen ist sicherlich nicht sehr innovativ, doch dennoch überaus relevant — dieser Artikel soll den aktuellen Stand der steuerlichen Rechtslage zu digitalen Assets darstellen und verdeutlichen, dass auch in diesem Bereich vielversprechende Entwicklungen zu erwarten sind.

Ertragsteuern

Wenn man sich in einschlägigen Internetforen über die Besteuerung von Kryptowährungen informiert, dürfte es sich in den meisten Fällen um eine ertragsteuerliche Auseinandersetzung handeln. Von der Ertragsbesteuerung ist in der Regel jeder private oder institutionelle Anleger — der in Deutschland der Steuerpflicht unterliegt — betroffen. Die Ertragsbesteuerung ist in Deutschland für natürliche Personen im Einkommensteuergesetz („EStG“) und für juristische Personen im Körperschaftsteuergesetz („KStG“) geregelt. Neben der persönlichen Steuerpflicht des Investors muss allerdings auch eine sachliche Steuerpflicht vorliegen. Hierzu findet sich in § 2 EStG eine abschließende Aufzählung von Einkunftsarten, die der deutschen Ertragsbesteuerung unterliegen und für welche eigenständige Besteuerungsvorschriften anzuwenden sind. Fraglich ist nun, ob Einkünfte aus digitalen Assets unter eine dieser Einkunftsarten fallen und wenn ja, welche Besteuerungsregelungen anzuwenden sind.

Klassifikation. Aus finanzmarktregulatorischer Sicht gibt es bereits eindeutige Aussagen der zuständigen Behörde bezüglich der rechtlichen Einordnung von digitalen Assets. So klassifiziert die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht — BaFin — virtuelle Währungen als Rechnungseinheiten gemäß § 1 Absatz 11 Satz 1 Kreditwesengesetz und damit einheitlich als Finanzinstrumente.[i]

Aus steuerlicher Sicht kann leider zum heutigen Zeitpunkt noch keine eindeutige Klassifizierung vorgenommen werden. Zumindest ordnet das Bundesfinanzministerium („BMF“) in einem Antwortschreiben an den damaligen FDP-Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler[ii] Bitcoins als eigenständige Wirtschaftsgüter ein, was darauf schließen lässt, dass andere digitale Assets ähnlich zu behandelt sind.

Diese Qualifizierung stellt die aktuell herrschende Meinung dar, ist nach unserer Auffassung allerdings nicht immer präzise.

Dies wird in Zukunft aller Voraussicht nach für viel Diskussionsstoff sorgen, da von der Einordnung des Investitionsobjekts die nachgelagerte Besteuerung maßgeblich beeinflusst wird.

Trading. Folgt man der herrschenden Meinung bezüglich der steuerlichen Klassifizierung von digitalen Assets, dürften fast ausschließlich die Besteuerungsnormen für private Veräußerungsgeschäfte des § 23 EStG einschlägig sein. Diese gelten beispielsweise auch für Fremdwährungsguthaben oder die Veräußerung von Immobilien.

Demnach unterliegen Gewinne aus der Veräußerung von digitalen Assets dem persönlichen, progressiven Steuersatz des Investors, dessen Höhe zwischen 0 bis 45 % betragen kann. Es besteht eine Freigrenze von 600 Euro pro Kalenderjahr. Im Unterschied zu einer Freibetragsregelung unterliegen sämtliche Einkünfte der Besteuerung, insofern die Freigrenze überschritten wird. Ferner bleiben Veräußerungsgewinne steuerfrei, wenn eine Mindesthaltedauer von einem Jahr erfüllt wird. Die Gewinne sind in der Anlage SO der Einkommensteuererklärung auszuweisen. Verluste können nur innerhalb der Einkunftsart rückwirkend für ein Jahr und unbegrenzt im aktuellen sowie in nachfolgenden Steuerjahren berücksichtigt werden. Darüber hinaus gelten die allgemeinen Verlustverrechnungsgrundsätze des § 10d EStG.

Zu beachten ist, dass auch der „Tausch“ zwischen verschiedenen digitalen Assets den Besteuerungstatbestand der „Veräußerung“ erfüllt und demnach zu einem steuerlich relevanten Veräußerungsgewinn führen kann. Als Veräußerungserlös gilt dann der gemeine Wert, also der Marktwert des erhaltenen digitalen Assets. In solchen Fällen sind zur Ermittlung des steuerlichen Ergebnisses, jeweils die Anschaffungskosten und der Veräußerungserlös im Zeitpunkt des Zu- bzw. Abflusses in Euro zu bewerten. Fraglich ist, ob auch der Kauf von Gütern mit Fremd- bzw. Kryptowährungen zu einem steuerpflichtigen Ereignis führen kann. Hierzu werden in der Fachliteratur verschiedene Auffassungen vertreten.[iii]

Analogien. Zweifelhaft ist außerdem, wie mit sukzessiven Anschaffungen bzw. Veräußerungen umzugehen ist. Bei herkömmlichen Finanzprodukten und Fremdwährungen wird hierfür ein sog. FIFO-Verbrauchsfolgeverfahren angewandt. FIFO steht für First In First Out und bedeutet, dass zuerst angeschaffte Wirtschaftsgüter als zuerst veräußert gelten. Letztendlich besteht keine gesetzliche Regelung, die eine Anwendung des FIFO-Verfahrens auf digitale Assets vorsehen würde. Allerdings ist eine Anwendung schon allein aus praktischen Gründen sehr empfehlenswert.[iv] In analoger Anwendung der Besteuerungsgrundsätze des Kapitalertragsteuerabzugsverfahrens, wäre eine FIFO Berechnung für jedes Konto (bzw. Wallet) gesondert vorzunehmen.

Dies würde auch im digitalen Umfeld steuerinduzierte Gestaltungsspielräume ermöglichen.

So könnte der Investor durch gezielte Kontentrennung seine großen, langfristigen Positionen nach einem Jahr steuerfrei veräußern, ohne dass sich kurzfristige kleinere Trades negativ auf den Bestandsschutz auswirken würden.[v]

Auf jeden Fall wird der ausführlichen Dokumentation der Trading-Historie eine entscheidende Rolle zukommen, da diese am Ende benötigt wird, um gegenüber dem Finanzamt eine Steuerfreiheit nachweisen zu können. Dies ist insbesondere relevant, wenn während der Haltedauer Verschiebungen von Assets zwischen Börsen, Wallets oder anderen Aufbewahrungsorten stattgefunden haben.

Außerdem gibt es Detailregelungen, die auch auf digitale Assets Anwendung finden könnten. So verlängert sich gem. § 23 Abs. 1 S. 1 Nr. 2 S. 4 EStG die Spekulationsfrist von einem Jahr auf zehn Jahre, insofern aus einem Asset laufende Erträge bezogen wurden. Besonders Einkünfte aus dem Verleihen oder dem Staking von Kryptowährungen könnten dieses Tatbestandsmerkmal erfüllen. Jedoch gibt es Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs die besagt, dass diese Regelung nicht auf Fremdwährungsguthaben anzuwenden sei.[vi]Ferner besteht Rechtsprechung darüber, dass Erträge, die in Fremdwährung anfallen, steuerlich keine Anschaffung darstellen. Folglich wäre eine Veräußerung dieser Beträge — unabhängig von der Haltedauer — immer steuerneutral.[vii] Diese Rechtsprechungsgrundsätze könnten analog auf digitale Assets anwendbar sein.

Beispiel Besteuerung Bitcoin

Innovative Finanzprodukte. Spannend wird es, wenn man die Vielzahl der inzwischen auf dem Markt verfügbaren Finanzinstrumente betrachtet. Beispielsweise bieten einige Börsen sog. Margin-Trading an und erlauben somit eine gehebelte Partizipation an steigenden und fallenden Kursen eines bestimmten Assets. Die steuerliche Einordnung solcher Geschäfte hängt maßgeblich von den der Ausgestaltung des individuellen Einzelfalls ab. Wird ein bestimmter Trade beispielsweise nur durch ein peer-to-peer Darlehen geleveraged um dadurch einen Hebeleffekt zu erzielen, dürften weiterhin die Besteuerungsgrundsätze der privaten Veräußerungsgeschäfte einschlägig sein. Die Zinsen für das Darlehen würden dementsprechend abzugsfähige Werbungskosten darstellen. Wird der Margin-Trade hingegen durch ein Investment in einen separierten Future-Kontrakt verwirklicht, würde dies aus steuerlicher Sicht ein Termingeschäft darstellen. Termingeschäfte unterliegen dem Abgeltungsteuer-Regime des § 20 EStG, das auch für herkömmliche Finanzprodukte maßgeblich ist. In diesem Fall wäre eine Kapitalertragsteuer in Höhe von 25 % zu entrichten und den weiteren Besonderheiten der Besteuerung von Kapitalvermögen Sorge zu tragen.

Lending. Für Einkünfte aus dem Lending, also dem Verleihen von digitalen Assets sollten dieselben steuerlichen Überlegungen wie für das im nächsten Abschnitt behandelte Staking gelten.

Aktuelle Entwicklungen wie Hard Forks, Air Drops oder ICOs werfen weitere steuerliche Fragestellungen auf, welche allerdings den Umfang dieses Artikels überschreiten würden. Für Fragen rund um das Thema, sowie eine akkurate und einfache Online Lösung wird auf das Serviceangebot von CryptoTax am Ende des Artikels verwiesen.

Mining. Einkünfte aus dem Mining oder Staking von digitalen Assets könnten Einkünfte aus Gewerbebetrieb nach § 15 EStG oder sonstige Einkünfte aus Leistungen gem. § 22 Nr. 3 EStG darstellen. Da die zweitgenannte Einkunftsart als Auffangtatbestand verstanden werden muss, gilt sie lediglich subsidiär zu den anderen Einkunftsarten. D.h. es liegen regelmäßig Einkünfte aus Gewerbebetrieb vor, insoweit die Tätigkeit nachfolgenden Bedingungen kumulativ erfüllt:

  • Selbständigkeit
  • Nachhaltigkeit
  • Gewinnerzielungsabsicht
  • Teilnahme am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr
  • Keine Ausübung eines freien Berufs, Land- und Forstwirtschaft oder private Vermögensverwaltung

Diese Voraussetzungen sollten bei einer gewöhnlichen Mining-Tätigkeit (auch über einen Mining-Pool) auf einer Proof-of-Work basierten Blockchain erfüllt sein, sodass Einkünfte aus Gewerbebetrieb vorliegen. Zu Zweifelsfällen könnte es hingegen bei Cloud-Mining Verträgen kommen, bei welchen zum Beispiel für einen bestimmten Geldbetrag eine festgelegte Rechenleistung gemietet und damit ein bestimmtes oder mehrere digitale Assets geschürft werden können. In diesen Fällen ist fraglich, inwiefern eine selbständige Tätigkeit vorliegt, bzw. kommt es bei der Beurteilung maßgeblich auf die Vertragsbedingungen im individuellen Einzelfall an. Sollten letztendlich gewerbliche Einkünfte vorliegen, unterliegen diese grundsätzlich dem persönlichen, progressiven Einkommensteuertarif sowie der Gewerbesteuer im Veranlagungsverfahren. Zusätzlich ist zu beachten, dass eine Gewerbeanmeldung gem. § 14 Abs. 1 Gewerbeordnung vorzunehmen ist.

Staking. Anders verhält es sich beim sog. Staking, bei welchem vereinfacht gesagt Coins an das Netzwerk verliehen werden um dadurch neue Coins zu generieren. Da allein durch die Hingabe der Assets regelmäßig nicht das Tatbestandsmerkmal der Selbständigkeit erfüllt sein sollte, kommen hier lediglich die sonstigen Einkünfte aus Leistungen in Betracht, die insbesondere auch die Vermietung von beweglichen Sachen miteinschließen. Folglich wäre auch hier der persönliche Einkommensteuertarif anwendbar und es bestünde eine Freigrenze von 256 Euro pro Jahr. Alternativ wäre eine Klassifizierung als Zinsertrag aus einer durch das Staking begründeten Kapitalforderung i.S.d. § 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG denkbar. In diesem Fall wären die o.g. Grundsätze des Abgeltungsteuer-Regimes einschlägig.

Sollte im Einzelfall Unklarheit über die Zuordnung der Einkunftsart herrschen, ist eine Anfrage beim zuständigen Einkommensteuerfinanzamt empfehlenswert. Handelt es sich um größere Mining-Vorhaben, kann Rechtssicherheit im Rahmen einer kostenpflichtigen aber verbindlichen Auskunft nach § 89 Abgabenordnung erlangt werden.

Institutionelle Anleger. Da betriebliche Anleger grundsätzlich nur Einkünfte aus Gewerbebetrieb erzielen, hat für sie die steuerliche Einordnung von digitalen Assets nur eine untergeordnete Bedeutung. Viel interessanter sind hier die Fragestellungen zur Bilanzierung der Assets nach den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung in der Handelsbilanz, welche nach dem Maßgeblichkeitsprinzip die Basis der Besteuerung darstellt.

Abseits des Steuerrechts ist ebenfalls die Behandlung nach internationalen Rechnungslegungsstandards wie den IAS/IFRS bedeutend. Hier dürfte die Schwierigkeit hauptsächlich in der Bestimmung des Marktwerts liegen, da die Kurse der digitalen Assets sehr hohen Schwankungen unterliegen.

Beispiel: Steuerlösungen von CryptoTax

Das Fehlen klarer steuerlicher Leitplanken und der hohe Aufbereitungsaufwand der getätigten Transaktionen bereitet vielen Steuerpflichtigen und deren steuerlichen Beratern Kopfschmerzen. Dies hat CryptoTax — ein Start‑Up aus München – zum Anlass genommen, automatisierte Steuerreporting-Lösungen für Kryptoinvestoren anzubieten.

Durch die von einer großen Wirtschaftsprüfung zertifizierten Steuerreports wird jederzeit Compliance mit dem aktuellen Rechtsstand gewährleistet.

Über die webbasierte Plattform www.cryptotax.io können privaten Investoren alle für die Steuererklärung notwendigen Dokumente generieren. Der Report kann direkt der Steuererklärung beigefügt werden. Institutionelle Investoren, Steuerberater und Finanzdienstleister, die an B2B-Services interessiert sind, können sich für weitere Informationen gerne an den Autor wenden.

CryptoTax: Musterreport für einen deutschen Kunden
Abbildung 2: Musterreport für einen deutschen Kunden

Ausblick

Die einschlägigen steuerlichen Regelungen wirken momentan noch überschaubar. Allerdings wird schnell klar, dass nach Berücksichtigung einiger Sonderfälle bereits jetzt die Komplexität enorm zunimmt. Leider ist in Zukunft u.E. nicht mit einer Vereinfachung zu rechnen, sondern — im Gegenteil — mit einer exponentiellen Komplexitätssteigerung. Wünschenswert wäre eine baldige Stellungnahme seitens der Finanzverwaltung, die nicht die gesamte Breite der Thematik vollumfänglich umfassen müsste, aber klare Leitlinien setzen und damit den Startschuss für eine detaillierte Aufarbeitung der „digitalen Revolution“ bedeuten könnte.

Anmerkungen

Download the article as PDF file. More information about the the Frankfurt School Blockchain Center on the Internet, on Twitter or on Facebook.

Klaus Himmer ist Geschäftsführer und Mitgründer der 21 Consulting GmbH sowie Senior Associate im Financial Services Tax bei einer großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in München (klaus.himmer@21consult.de).

Bitcoin Besteuerung

[i] https://www.bafin.de/DE/Aufsicht/FinTech/VirtualCurrency/
virtual_currency_node.html

[ii] BMF, Antwortschreiben an Frank Schäffler MdB vom 07.08.2013 zur schriftlichen Frage Nr. 408 für den Juli 2013, IV C 1 — S 2256/0–01.

[iii] Glenk in Blümich, 95. Aufl., 2007, EStG § 23 Rz. 132.

[iv] BayLfSt vom 12.3.2013, S 2256.1.1–6/4 St32.

[v] Diese Frage blieb leider bisher unbeantwortet, vgl. BMF, Antwortschreiben an Frank Schäffler MdB vom 07.08.2013 zur schriftlichen Frage Nr. 408 für den Juli 2013, IV C 1 — S 2256/0–01.

[vi] BFH-Urteil vom 2.5.2000, IX R 73/98, BStBl. II, S. 614.

[vii] BMF-Schreiben vom 25.10.2004, BStBl. I, S. 1034, Rz. 42.